Lektionen aus der Lektüre von Gefangenenliteratur (9): Bücher.

Wer Dietrich Bonhoeffers „Widerstand und Ergebung“ oder Alexander Solschenizyns „Archipel Gulag“ liest, dem präsentiert sich eine düstere Umgebung. Umso heller erstrahlen einzelne Lichtblicke. Ein solcher Lichtblick entstand durch Büchersendungen. Wer ansonsten vor allem auf sich selbst gestellt war bzw. von den Informationen abgeschnitten, genoss die Interaktion mit Büchern und deren Inhalten. Das Gelesene wiederum gab Anstoss für neue Gedanken und Austausch mit Lagerhäftlingen.

Corrie ten Boom schmuggelte eine Bibel mit in die Zelle, die sie nicht fürs eigene Studium, sondern auch für Bibelstunden nutzte. Ich kann mich gut an die Lektüre erinnern, wo ein deutscher Soldat in russischer Gefangenschaft jedes einzelne Blatt seines Neuen Testaments gegen Lebensmittel hätte eintauschen können. Doch die geistige Nahrung war ihm viel zu wichtig, als dass er sich von diesen kostbaren Blättern getrennt hätte.

Wir leben heute nicht in Gefängnissen. Doch mancher von uns ist vom Alltag so „zugemüllt“, dass er kaum noch Zeit und Musse fürs Lesen findet. Schade, wenn die Schätze, zu denen wir Zugriff hätten, nicht gehoben werden können!