Egoisten sind keine „Ich-bezogenen“, sondern „Ich-lose“Menschen

Dr. Albert Wunsch, Erziehungswissenschaftler und Autor, erklärt, warum Egoisten kompensieren:

Wenn ein Mensch sich häufig ins Zentrum der Aufmerksam rückt bzw. sich als ‚Mittelpunkt der Welt’ betrachtet, wird er meist als Egoist – d.h. ‚Ich-Bezogener-Mensch’ – bezeichnet. Jemand mit einem realen stabilen Ich, wird dieses jedoch nicht herauszustellen suchen. So wie wirklich wohlhabende Menschen ihren Besitzstand nicht ständig zeigen, oft geschieht das Gegenteil, so hat auch ein stabiles Selbst keine Veranlassung, sich wegen dieser Stärke brüsten zu müssen. Dagegen versuchen Menschen mit einem sehr schwachen Ich, diesen Zustand entweder in Zurückgezogenheit zu leben oder stattdessen nach außen angebliche Stärke zu demonstrieren. In oberflächlichen Situationen scheint diese ‚Als-ob-Stärke-Strategie’ nicht selten zu funktionieren. Längerfristig wird die durch Überkompensation zu kaschieren gesuchte Persönlichkeits-Schwäche immer offensichtlicher. Und Kollegen, Mitarbeiter und erst recht Lebenspartner werden sich von solch nervenden ‚schau mal wie toll ich bin Inszenierungen’ abzugrenzen wissen. So geraten vorgeblich starke Akteure aufgrund der tatsächlichen Schwäche schnell ins private oder berufliche Abseits.

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