Liebe und tue, was du willst

Die erste Gnade, die Gott dem Menschen schenkt, ist ein Gebot.

Um das Thema „Gesetz“ herrscht unter Christen grosse Verwirrung. Der Begriff „gesetzlich“ wird inflationär verwendet.  Ron Kubsch geht in diesem wichtigen Aufsatz dem Begriff des Gesetzes nach:

  1. Das Gesetz im Alten Testament: „Das Gesetz ist im Alten Testament kein Mittel, um in die Gottesgemeinschaft zu gelangen. Das Gesetz ist Gottes bewahrende Weisung an die schon Auserwählten. Indem die Berufenen gemäss diesen Bestimmungen leben, zeigen sie ihre Bundestreue.“
  2. Das Gesetz bei Jesus Christus: „Jesus hat ber das alttestamentliche Gesetz nicht nur bestätigt und eschatologisch zugespitzt, er hat es vor allem erfüllt (Mt 5,17) und dadurch alles getan, was die Gerechtigkeit, die vor Gott zählt, verlangt (vgl. Mt 3,15).“
  3. Das Gesetz und die erste Gemeinde: „Die für die Heidenmission wegweisende Entscheidung fiel auf dem Jerusalemer Apostelkonzil im Jahre 49 n. Chr. (Apg 15). Zugunsten der Gemeinschaft aller Christen wurde von den Heidenchristen nur die Einhaltung der noachitischen Gebote erwartet.“
  4. Das Gesetz bei Paulus: „Der Schlüssel für den christlichen Zugang zum Gesetz liegt m. E. beim richtigen Verständnis von ‚Liebe‘.“

In den Schlussbemerkungen schreibt Kubsch mit Bezug auf Augustinus:

Wenn der gleiche Augustinus in seinem Kommentar zum 1. Johannesbrief schreibt: ‚Liebe und tue, was du willst‘, dann predigt er keine Liebe ohne Gesetz, sondern fokussiert auf die Liebe, die den Menschen freisetzt, mit Freude das zu tun, was Gott gefällt, ganz im Sinne von Joh 14,15, wo Jesus sagt: ‚Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten‘ (vgl. 1Joh 3,24; 5,3). Gemeint ist also die LIebe, die Glaubenden durch den Heiligen Geist geschenkt ist und die den Willen des Vaters im Himmel sucht (vgl. Röm 5,5).