Wenn Jungs ihr Territorium verteidigen

Am Waldrand in unserer Umgebung liegt ein wunderschöner Spielplatz: Eine grosse Wiese, der Wald, ein Bach, ein Weg und die Spielgeräte. Es hat alles, was ein Kind sich wünscht. Kein Wunder, kommen nicht nur die Kinder aus den umliegenden Häusern zum Spielen. Der Ort zieht ganze Krippen an. Er ist ein Tummelplatz nicht nur für die Kinder, sondern auch für Betreuer und Eltern. Das führt immer wieder zu interessanten Gesprächen – und auch zu Auseinandersetzungen! Für unsere Kinder ist der Platz ein Teil ihres Territoriums, denn sie haben an der Spielplatzgestaltung selber mitgewirkt.

Ein Zankapfel des Platzes ist der Bach. Den Kindern gelingt es immer wieder, das Wasser so zu stauen, dass es über die Wiese in die Gärten der Nachbarhäuser läuft. Da meine Jungs sich zuständig fühlen, kann es schon vorkommen, dass sie Staumauern aufheben. Das gefiel einigen spielenden Kindern gar nicht. Sie nahten sich mit viel Gebrüll meinem Sohnemann und beschimpften ihn . Wie reagierte er? Ganz ruhig nahm er die Boote aus dem Wasser und liess eines nach dem anderen auf die Steine plumpsen. Erbost kamen die Mütter herbei und wollten wehren. Die Schimpftirade interessierte sie nicht, die Aktion meines Sohnes hingegen wohl.

Wie reagieren? Aus reiner Gefälligkeit könnten wir unsere Kinder in solchen Situationen zurückbinden. Doch das tun wir nicht. Wir lassen sie gewähren und Auseinandersetzungen austragen. Weshalb? Wir wollen nicht, dass sie eines Tages zu willfährigen Arbeitnehmern und harmlosen Konsumenten werden. Sie sollen ihr Territorium verteidigen dürfen (siehe „Fünf Leitfragen zur Erziehung von Jungs“). Es kam schon oft vor, dass ich bei der Manöverkritik meine Jungs lobte und mit ihnen gleichzeitig Alternativen für ihr Handeln erarbeitete.