E21 Live-Blog: Nachklang – Predigtvorbereitung und Predigtbewertung

Einige Tage nach Abschluss der Konferenz klingen einige Worte von Thabiti Anyabwile in mir nach.

Der erste Punkt betrifft seine eigene Predigtvorbereitung. Manchmal neige ich zum Schluss, dass erfahrene Redner ihre Predigten „unter der Dusche“ zusammenstellen. (Ich werde zuweilen den Eindruck nicht los, dass das auch der Fall ist. Die Leere wird durch die eigene Person, Geschichten und Anekdoten, aufgefüllt.) Thabiti hat für sich folgendes Vorgehen entwickelt:

  • Im ersten Halbtag liest er den Text immer und immer wieder.
  • Er versucht dann die Hauptaussage der Predigt in einem Satz zusammenzufassen. Die Aussage der Predigt sollte die Aussage des Textes sein.
  • Als nächstes erstellt er eine erste exegetische und homiletische Gliederung, aus denen der erste Predigtentwurf hervorgeht.
  • Erst nachher werden die Kommentare konsultiert.
  • Mit den Ergänzungen der Lektüre wird der zweite Entwurf geschrieben.
  • Am Vortag der Predigt wird der Entwurf gründlich gelesen und vor allem gekürzt.
  • Ganz am Schluss hört sich Thabiti eine Predigt eines anderen zum gleichen Text an. Das geschieht auch zur eigenen Erbauung.

Umgekehrt sollten auch die Zuhörer zu einem geistlichen Beurteilen der Predigt angeleitet werden.

  • Das natürliche Bewertungsmuster der Zuhörer ist das eines Konsumenten. In meinen eigenen Worten: Daumen rauf oder runter! Thabiti meint: „Wenn die Zuhörer eine Predigt ‚langweilig‘ finden, dann urteilen sie aus der Rolle des Konsumenten heraus.“ Er hat dazu einen hilfreichen Vergleich angestellt. Stelle dir vor, dass Zuschauer einen Turmspringer beurteilen sollen. Wenn die Bewertung nach dem Unterhaltungswert geschieht, dann könnte dies nach dem Kriterium geschehen: Bei wem hat es am meisten gespritzt?
  • Viel zentraler ist die Frage: Entsprach die Aussage der Predigt der Aussage des Bibeltextes? (Bei manchen Predigten ist das schon ein „Killer-Kriterium“, weil sich die Hauptaussage gar nicht auf die Bibel bezieht.) Wenn das der Fall ist, dann sollen die Zuhörer die Predigt so annehmen, als Gott zu ihnen gesprochen hätte.
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