Aus den Medien: Armes reiches Nigeria, Unschooler im Appenzell, Unreife als Krankheit

Armes reiches Nigeria

Schaurige Berichte über die Entführung von Mädchen sind uns via Medien zu Ohren gekommen. Wie geht es Nigeria? Die NZZ berichtet:

Die Politiker halten sich die höchsten Saläre auf dem Kontinent zu. Die Elite fliegt in Privatjets zu Spitalaufenthalten ins Ausland, aber auf Ranglisten über den Zugang zu öffentlichen Diensten figuriert Nigeria im hintersten Viertel aller Staaten Afrikas, bei der Gesundheit als 40. von 52 Ländern.

Unschooler im Appenzell

Das Migros-Magazin hat einen ausführlichen Bericht über die Familie Gantenbein veröffentlicht.

In der Schweiz waren sie ihres Wissens die Ersten, die mit Unschooling begonnen haben. Zuerst galt es, bei den Bildungsbehörden des Kantons Appenzell Ausserrhoden einige Überzeugungsarbeit zu leisten. «Sie waren aber von Anfang an sehr offen und fanden unser Konzept interessant», sagt Doris Gantenbein. Die Familie erhielt eine Bewilligung, zuerst für ein Jahr, später für zwei Jahre. Sie muss jährlich einen Rechenschaftsbericht ablegen und bekommt ein Mal pro Jahr Besuch von einer Vertreterin des Bildungsdepartements. Drei Mal jährlich treten die Kinder zu einer Prüfung an, bei der getestet wird, ob sie das ihrem Alter entsprechende Schulniveau erfüllen (siehe Interview rechts). Die kleinen Gantenbeins bestehen die Prüfungen jeweils mit Bestnoten.

Die Nachbarin der Familie hat einen Kommentar verfasst:

Wir sind die Nachbarn von Familie Gantenbein und dankbar dafür. Mich beeindruckt besonders die Zufriedenheit und Ausgeglichenheit der drei Kinder sowie ihre Fairness anderen gegenüber. Ich schätze sie sehr, auch als „Gspändli“ für unsere Kinder.  Ich war selber als Primarlehrerin und Hortleiterin berufstätig und bin heute Mutter zweier Kinder.  Unsere Anfangs vielleicht auch noch eher skeptischen Gedanken gegenüber dieser aussergewöhnlichen Lernform haben sich verflüchtigt und ich kann heute den Weg, den unsere Nachbarn gehen voll und ganz unterstützen.

Unreife als Krankheit

Der emeritierte Professor für Psychiatrie Allen Frances sagt, dass das neue Standardwerk der Psychiatrie zur Hyperinflation psychischer Krankheiten führt. Hier geht es zum informativen Interview: (VD: DN)

Herr Frances, wenn ich es richtig sehe, haben Sie ein Problem mit Ihrer eigenen Berufsgattung. Psychiatrie, richtig ausgeübt an Personen, die effektiv darauf angewiesen sind, hilft wunderbar und ist absolut notwendig, aber wir haben die Grenze für Funktionsstörungen nach unten verschoben. Wir brauchen zu viele Medikamente für Leute, die ohne Medikamente oder mit Psychotherapie besser zurechtkämen.

In Ihrem Buch «Normal» schreiben Sie, es habe eine Inflation psychiatrischer Diagnosen gegeben. Haben Sie dafür Beispiele? Ja. In den USA qualifizieren 25 Prozent der Bevölkerung für Angststörungen, und sogar 50 Prozent müssen mit einer lebenslänglichen Diagnose einer psychischen Störung rechnen. 20 Prozent der Bevölkerung nehmen Psychopharmaka zu sich. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an einer Überdosis von verschriebenen Medikamenten als an einer Überdosis von Rauschgift.