Buchbesprechung: Eine Vision des heilig-liebenden Gottes gewinnen

David F. Wells. God in the Whirlwind: How the Holy-love of God Reorients Our World. Crossway: Wheaton, 2014. 272 Seiten. 9,49 Euro (Kindle-Version).

In den letzten Monaten habe ich verschiedentlich zu der zwischen 1993 und 2008 geschriebenen fünfbändigen Kulturkritik  gebloggt. In „Glaube & Denken heute 1/14“ bespreche ich den sechsten und abschliessenden Band von Wells:

Nach der Lektüre der vorgelagerten fünf Bände war ich neugierig auf das abschliessende Buch von Wells. Das Echo „so nicht!“ hallte durch die bisherigen Erläuterungen. Wells schrieb eine Systematische Theologie in Form einer eingehenden Auseinandersetzung mit der Gegenwartskultur, genauer gesagt mit dem Auf- und Niedergang der Moderne und der Etablierung der Spät- bzw. Postmoderne. Das gesamte Werk weist die Züge einer ausführlichen Kulturkritik, verbunden mit dem Ruf zur Bildung einer Gegenkultur, auf. An Kritikern fehlte es nicht. Das verwundert auch nicht. Wells wagt sich an die Metanalyse einer Zeit, die eben erst vorüber ist oder noch andauert. Er habe zu wenig Hinweise gegeben, wie denn diese Gegenkultur ausgestaltet werden kann. Auf diesen Kritikpunkt reagiert Wells. Noch präziser, er fragt: Wie können die Evangelikalen zum Wesentlichen zurückfinden?

Auf den Ruf „so nicht!“ soll nun die Frage „wie denn?“ beantwortet werden. Mit dem Schlüssel, den er uns dazu in die Hand gibt, konnte ich im ersten Moment nichts anfangen. Wells geht zurück zu seinem Kernargument, dass Gott an Gewicht verloren hat. Darum macht er sich daran, eine „gewichtige“ Sicht von Gott zu entwickeln und den Blick seiner Leser eben dafür zu gewinnen. Durch eine ausgewogene Perspektive des heilig-liebenden Gottes verändert sich unser Denken und unser Leben. Es geht, wie es der Titel ankündigt, um eine Neuorientierung. Sie wird uns mittel- und langfristig befähigen, unser Leben wieder auf Gott auszurichten. Je länger ich darüber nachdenke, desto zentraler wird mir diese Überlegung. James K. A. Smith monierte in Christianity Today, Wells singe immer dasselbe Lied. Kevin DeYoung hält dagegen: Vorsicht, die Absicht des Autors war eine andere. Dieser Absicht des Autors versuche ich nachzuspüren. Hierzu muss vorneweg gesagt werden, dass ich die Einschätzung von Wells teile.