Rückblick: Ein Christus-freier Urlaub?

Es ist schon zur Gewohnheit geworden, einen Urlaubsrückblick zu halten. Die folgenden Zeilen können – wie so manche andere meiner Reflexionen – missverstanden werden. Erst wer meine dahinter stehende Grundüberzeugung verstanden hat, kann etwas damit anfangen: Das Evangelium betrifft das ganze Leben. Es geht mir nicht darum zu „frömmeln“, etwa um eine selbstgerechte Latte zu errichten und alle anderen danach zu messen. Timothy Keller hat treffend aufgezeigt, wie sowohl der Moralismus wie auch der Relativismus „Diebe des Evangeliums“ sind.

Der Urlaub eignet sich besonders dazu, Christus aus einigen Tagen oder Wochen unseres Lebens zu verbannen. Das Grundmuster scheint mir dasselbe zu sein, wie ich an anderer Stelle als „Kreislauf des postmodernen Konsumstrebens“ beschrieben habe. Ja, es scheint sich noch zuzuspitzen: ICH bin zu kurz gekommen, also muss ICH besonders gut für MICH sorgen. Ich stellte bei mir selbst vier Einstiegspunkte bzw. Auslöser für einen Christus-freien Urlaub fest:

  1. Stark verschobener Schlafrhythmus: Es ist schwieriger zeitig ins Bett zu gehen als rechtzeitig aufzustehen.
  2. Zügellose Ernährung: Das Essen beginnt einen übermässig wichtigen Platz im Tagesablauf einzunehmen.
  3. Die ersten Stunden am Tag: Wie ich den Tag beginne, bestimmt oft seinen Verlauf.
  4. Konflikte abschieben oder vermeiden: Urlaube bieten Reibungsflächen!

Umgekehrt erlebe ich einen befreienden Urlaub durch

  1. eine konsequente Orientierung am Lebensziel, Gott zu ehren und mich an ihm zu freuen. Wenn ich dieses übergeordnete Ziele meinen Plänen und Unternehmungen voranstelle, nehmen die Tage einen anderen Verlauf.
  2. genügend Zeit um Fragen zu besprechen und Konflikte anzugehen. Wer nach den tieferen Ursachen für Konflikte fragt und sie im Licht des neuen Lebens betrachten will, wird mit dem eigenen „Morast“ konfrontiert. Dann ist es herrlich den „fröhlichen Tausch“ vollziehen zu dürfen.
  3. genügend Raum für Familienandachten. Mehrmals im Tag kurz und gezielt über sein Wort nachzudenken, Geschichten zu lesen, Heilsgeschichte nachzuverfolgen oder sich mit Bibelversen zu sättigen verändert die Familienatmosphäre.
  4. gemeinsames Gebet. Die Ruhe vor Gott hilft zu fokussieren: Wie erfahren wir seine Güte? Wie können wir ihn preisen? Für wen können wir Fürbitte tun?
  5. körperliche Anstrengung und seelische Entspannung. Ich tendiere dazu der körperlichen Entspannung zu viel Raum geben und mich seelisch – zum Beispiel durch medialen Konsum – anzustrengen.
  6. ein gesundes Mass an Aussenorientierung. Urlaube bieten die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen, Fragen zu stellen und von anderen zu lernen.

Hier geht es zu einer Reihe weiterer Beiträge zum Thema Urlaubsplanung und -verlauf als Familie.