Kinder in die Selbständigkeit begleiten (2): Abendritual

Ungünstig

Fünf Jungs halten sich oft gegenseitig wach. Es gibt immer etwas Spannendes zu tun. Die Arbeiten werden hinaus geschoben. Ich merke, dass wir mit dem Programm im Verzug sind. Ich beginne jeden Einzelnen anzutreiben. Das kostet Energie. Die ständigen mündlichen Wiederholungen lassen meine Glaubwürdigkeit schnell sinken. Ich beginne mich immer häufiger zu wiederholen. Nach einigen Abenden falle ich gar in eine Vermeidungshaltung, indem ich mich zurückziehe – und den Jungs damit noch mehr Raum gewähre. Meine Frau holte mich zurück auf den Boden der Realität: „Mit einem solchen Abendritual könnte ich nicht leben.“

Alternative

An der Schnittstelle – bevor nämlich die Tischgemeinschaft beendet ist -, kündige ich die Zu-Bett-gehen-Zeit an und gebe bekannt, was jeder bis dahin noch zu erledigen hat. Es kann sein, dass ich in der Halbzeit noch einmal daran erinnere. Wie angekündigt schliesse ich den Tag ab. (Eigene Abmachungen einzuhalten ist unglaublich wichtig.) Wer seine Aufgaben noch nicht erledigt hat, muss nacharbeiten und eine Zusatzarbeit fürs Gemeinwohl verrichten. Auf die gleiche Art und Weise hole ich einen Buben nochmals aus dem Bett, wenn er sich nicht an die Bettruhe hält.