Zitat der Woche: Die wahre Glückseligkeit des Menschen

In Teil I/2, Fragen 1-5 der „Summe der Theologie“ handelt Thomas von Aquin (1225-1274) die Frage nach dem Endzweck des Menschen ab. Dieses bestehe in der Glückseligkeit des Menschen.

In Frage 2 bespricht er acht mögliche Kandidaten des Glücks. Er beginnt mit dem Reichtum, der am offensichtlichsten kein Endzweck darstellen kann.

…wie ungenügend und mangelhaft diese Güter sind, wird desto mehr erkannt, je mehr sie besessen werden. Dieser Umstand also zeigt gerade ihre Unvollkommenheit und daß in ihnen das höchste Gut nicht besteht. (1. Artikel)

Von Aquin schliesst die zweite Frage mit der wichtigen Aussage, die ich zuerst in der englischen, dann in der deutschen Übersetzung wiedergebe:

It is impossible for any created good to constitute man’s happiness. For happiness is the perfect good, which satisfies the appetite altogether; else it would not be the last end if something yet remained to be desired. Now the object of man’s will is the universal good, just as the object of the intellect is the universal true. Hence it is evident that nothing can satisfy man’s will but the universal good. This is to be found not in any creature but in God alone. Therefore God alone can satisfy the desire of man.

Thomas von Aquin, zit. in Peter Kreeft. The Philosophy of Thomas Aquinas. (77)

Ich antworte, unmöglich könne die Seligkeit des Menschen in einem geschaffenen Gute bestehen. Die Seligkeit nämlich ist das vollendete Gut, von dem das Begehren ganz und gar befriedigt wird; sonst wäre sie nicht der letzte Endzweck, wenn etwas zu begehren übrig bliebe. Der Gegenstand des menschlichen Begehrens aber, also des Willens, ist das Gute im allgemeinen, d. h. alles Gute; wie der Gegenstand der menschlichen Vernunft das Wahre im allgemeinen, alles Wahre ist. Wo also, wie dies in jeder Kreatur der Fall ist, nur ein beschränktes Gut sich findet, da kann nicht die Seligkeit des Menschen sein. Nur in Gott ist alles Gute, die Kreatur nimmt nur teil am Guten. Also nur Gott kann anfüllen den Willen des Menschen, nach Ps. 102.: „Der mit Gütern anfüllt dein Verlangen.“ Nur also in Gott besteht die Seligkeit des Menschen.

Thomas von Aquin, Summe der Theologie, I/2., 2. Frage, 8. Artikel, „In keinem geschaffenen Gute besteht die Seligkeit des Menschen“