Interview: Hanniel bloggt

Danke, Viktor Janke, für die Nominierung „Liebster Award.“ Bei dem „Liebster Award“ werden Blogs nominiert, die einem gefallen. Diese werden weiter empfohlen, um sie bekannter zu machen. Es werden 11 Fragen gestellt, um die Blogger–Persönlichkeiten besser kennen zu lernen.

1. Wann hattest du die größte Freude an deinem Blog?

Mir kommen drei Momente in den Sinn. Der erste ist nicht so rühmenswert. Ich bin mir bewusst, dass wir in einer Zeit des Messens und Vergleichens leben. Wie schnell schleicht sich die Haltung ein: Du bist dann etwas wert, wenn du viele Klicks hast. Diese Freude ist jedoch eine unechte Freude. Sie dauert nur kurz und treibt einen gleich zur nächsten Anstrengung, um den Triumpf zu übertreffen. Die wahre Freude trägt andere Züge und zeigt vor allem andere Auswirkungen. Sie entlädt sich in grosser Dankbarkeit gegenüber Gott und dient dem Nächsten. Letzteres merke ich dann, wenn z. B. die Mutter einer Grossfamilie sich bedankt und mir schildert, wie sie die Anstösse in der eigenen Familie umgesetzt hat; wenn meine Frau mir schmunzelnd erzählt, dass sie meinen Beitrag gelesen habe; wenn Arbeitskollegen meinen Blog lesen und sich darauf beziehen.

2. Wie viel Zeit investierst du in deinen Blog?

Ich investiere einen Teil meiner unbezahlten Arbeitszeit ins Schreiben und Publizieren. Ein wichtiger Kanal hierfür ist der Blog. Bis heute habe ich in 4,5 Jahren etwa 3000 Beiträge verfasst. Ich folge heute einem wöchentlichen Konzept: Montag „Aus den Medien“, Dienstag „Buchbesprechung“, Mittwoch „Publikation“ oder „Input“ (aus einem anderen Blog), Donnerstag Serien „Kinder in die Selbständigkeit begleiten“ und „Aus der Bibliothek“, Freitag „Buchbesprechung“, Samstag „Zitat der Woche“, Sonntag „10 Stellen aus jedem Bibelbuch“ oder „Gebet“.

Das Lesen für die Beiträge und das Entwerfen der Beiträge auf einem Blatt Papier braucht am meisten Zeit. Für eine Buchbesprechung benötige ich nach dem Lesen zwischen vier und acht Stunden. Wöchentlich lese und schreibe ich etwa 30  Stunden.

3. Was ist dein meistgelesener Artikel?

Auf diese Frage antworte ich nicht gerne. Lieber weise ich auf „Herzblut“-Beiträge hin: Meine Kolumnen und natürlich meine Publikationen.

4. Was inspiriert dich zum Schreiben?

Es gibt zwei Kanäle: Mein dichtes Erlebnisfeld aus Familie, Beruf und Gemeinde. Täglich stellen sich mir Fragen, mit denen ich ringe. Der zweite Kanal ist das Lesen. Viele fragen mich: Was treibt dich an? Die treffendste Antwort gibt das Buch von Os Guinness „Von Gott berufen – aber zu was?“. Ich bin von Gott zum Schreiben berufen. Ich tue es aus innerem Dran und Leidenschaft heraus.

5. Wie bist du zum Glauben gekommen?

Durch das Zeugnis meines Vaters. Er las mit mir von klein auf die Bibel. Der tägliche Unterricht war die „Start- und Geburtshilfe“, die der Heilige Geist benützte, um mich zu ihm zu führen. Mit zehn Jahren erfasste mich an einem Tag eine tiefe Zuneigung zu Gottes Wort, die seit 32 Jahren andauert. Mit sechzehn Jahren beschloss ich, öffentlich zum Glauben zu stehen. Mit Auf und Ab’s ist das bis heute so geblieben. Ich bete dafür, dass die Begeisterung für Jesus und sein Wort bis zu meinem letzten Tag bleibt und noch zunimmt.

6. Über was würdest du bloggen, wenn du einen weiteren Blog hättest?

Ich würde gerne noch mehr über aktuelle politische und religiöse Fragestellungen in Zeitschriften und Zeitungen schreiben, um ein anderes Publikum zu erreichen. Wer weiss, vielleicht öffnet mir Gott dazu Türen.

7. Was hat sich bei dir durch das Bloggen verändert?

Ich führe seit Kindheit Tagebuch. Zuerst waren es Karteikästen, später Tagebücher. Seit fünf Jahren geschieht ein grosser Teil davon über den Blog. Ein Vorgesetzter sagte einmal zu mir, dass ich ein „produktiver Archivar“ sei. Das Bloggen war eine Fortführung dessen, was ich schon seit Jahrzehnten tue – mit dem Unterschied, dass andere daran teilnehmen können.

8. Wie viele Leser hat dein Blog?

Kürzlich hat mir Johannes Otto das Blog strukturell überarbeitet. Er meint, dass ich etwa 200 tägliche, feste Leser habe. Natürlich landen viele Suchanfragen auf dem Blog, da ich schon über viele Themen gelesen und geschrieben habe.

9. Beschreibe ein Erlebnis, dass dir durch den Blog passiert ist.

Ich werde überall auf das Blog angesprochen: An der Arbeit, in der Gemeinde, auf Konferenzen, im Freundeskreis. Ich bin auf diese Weise im Dialog mit Dutzenden von Menschen. Oftmals kann ich einfach einen Link schicken, wo ich mich auf Besprochenes beziehe oder weitere Gedanken mitteile. Das ist eine Art der Korrespondenz, wie sie schon die Reformatoren gepflegt haben. Es geht heute einfach viel schneller, was Vor- und Nachteile hat.

10. Wer ist ein Vorbild für dich?

Es sind sicherlich die Blogger aus dem Umfeld der Gospel Coalition: Tim Challies, Kevin DeYoung, Justin Taylor, Andi Naselli, Doug Wilson.

Über die Jahre habe ich meinen eigenen Stil und meine eigenen Formate entwickelt.

11. Was planst du in der Zukunft mit deinem Blog?

Ich würde das Blog gerne auf eine gemeinsame Plattform transferieren analog der Gospel Coalition. Zudem hoffe ich wie gesagt auf neue Möglichkeiten, auf anderen Blogs zu schreiben. Ansonsten ist Fleiss und Ausdauer gefragt. So lange mir Gott Kraft und Zeit schenkt, schreibe ich täglich weiter.

Ich nominiere: