Gastbeitrag: Empfehlung für Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten

Auf dem Blog „Christian Homeschoolers in Austria“ schreibe ich eine Serie zum Unterricht nach dem Ansatz von Charlotte Mason.

In Teil IV gehe ich der Frage nach: Welche Empfehlungen hast du für Kinder mit Konzentrations- und Lernschwierigkeiten im Heimunterricht? (Ich weite dies noch aus: Welche Überlegungen hält Charlotte Mason dafür bereit?)

Evaluation des Charlotte Mason-Ansatzes: Insgesamt etwas unausgewogen

Nehmen wir mein Urteil vorab: Ich finde Charlotte Masons Perspektive des Kindes etwas unausgewogen (siehe z. B. ihr erstes Kapitel des ersten Buches „Home Education“). Wie komme ich zu diesem Schluss? Durch die gesamten Schriften werden das Potenzial bzw. die Fähigkeiten des Kindes etwas zu stark betont (Erschaffung in Gottes Bild und Begabung). Die Störung dieser Fähigkeiten (durch die Sünde) kommt dabei etwas zu kurz.

Woher kommt das? Es gibt die Tendenz, die Tatsünden zu sehr hervorzuheben (falsches Verhalten), anstatt die sündige Disposition der gesamten Person (Verstand, Wille, Gefühle) genügend zu berücksichtigen. Ich beabsichtige damit NICHT die Rückkehr zu einer schwarzen Pädagogik, das Schreckgespenst der Erziehungswissenschaften in den letzten Jahrzehnten. Nein. Ich glaube aber, dass Lernwiderstand, Rebellion gegen Lehrende (Eltern), Streit unter Geschwistern durch Neid, Faulheit, falscher Ehrgeiz etc. viel mehr zum Thema gemacht werden sollten. Der Ursprung des Bösen sind nicht die Eltern, die Geschwister oder die Lernumgebung; er befindet sich im eigenen Herzen. Dies sagte Jesus deutlich.

Erst wenn diese Motivationen zum Thema gemacht werden, können wir auch im Lernprozess zum Ort der wichtigsten Hilfe, nämlich zu Jesus gehen. Dann können wir den fröhlichen Tausch (Erklärung siehe hier) vollziehen und einander vergeben, wie Jesus uns vergeben hat. Ich wünsche mir sehr, dass gerade innerhalb von Familien mehr in dieser Gnade gelebt werden könnte. Wenn wir zu sehr auf der Etablierung guter Gewohnheiten abstützen, dann droht das ganze Unterfangen in Moralismus zu kippen. Es entsteht ein – oftmals unausgesprochener – Erwartungsdruck durch den Appell, das Lernen aus eigener Kraft zu schaffen. Das wiederum schafft Gelegenheit zu Stolz oder – im Fall von Lernschwierigkeiten – zu Frust und Verzweiflung. Natürlich weiss ich, dass auch die Lehrenden Sünder sind. Darum kommt es auf beiden Seiten immer wieder zu Entmutigung.

Antwort

Gott hat uns in seiner Vorsehung mit fünf lernstarken Buben gesegnet. (Das kann übrigens auch eine Herausforderung sein!) Ich stelle daher behutsam einige Fragen:

  1. Wann treten die Konzentrationsschwierigkeiten gehäuft oder verstärkt auf? Welche Aktivitäten sind zuvor gelaufen? Gibt es Auslöser?
  2. Wie gehen Lehrende und Lernende vor? Gibt es „Spiele“, wie zum Beispiel diese: Ich bekomme die Aufgaben vorgesetzt. Es gibt Widerstand, weil ich es nicht verstehe. Ich reagiere mit Unwillen und versuche den Lehrenden dazu zu bringen, mir alles schrittweise „vorzukäuen“ und zu erklären; die Erfüllung der Pflichten hinauszuschieben oder abzukürzen; mit charmantem Lächeln eine Erklärung für das Nichtmachen zu bringen etc.
  3. Welche Abwertungen der Schwierigkeiten finden statt
    a) vom Lernenden selbst (Entmutigung, Zorn)
    b) vom Lehrenden (Unwille, Drohung)
    c) von den Geschwistern (Demonstration von Überlegenheit, Auslachen)
  4. Welche besonderen Begabungen sind dem Kind geschenkt? Wie und wann kann innerhalb des Lernprozesses Plattformen dafür geschaffen werden?
  5. Wann ist ein guter Zeitpunkt, die Schwierigkeiten mit dem Kind zu besprechen und die Motive anzusprechen? Wie können die Gewohnheiten der Aufmerksamkeit und des Gehorsams (nach Mason) ausgebaut werden? Welche Ideen hat das Kind selbst?