Input: Der perspektivische Ansatz von John M. Frame

Seit einigen Jahren arbeite und denke ich öfters mit Hilfe des tri-perspektivischen Ansatzes von John M. Frame. Hier hat Frame eine Einführung geschrieben. (In Fussnote 3 weist er auf seine exegetische, epistemologische und ethische Ausarbeitung in seinen Werken hin.)

Warum Perspektiven?

  • Gott verfügt über eine unbeschränkte Perspektive.
  • Unsere menschliche Perspektive ist hingegen stets eingeschränkt.
  • Wir können unsere Perspektive durch andere Menschen erweitern.
  • Es bleibt uns die Grenze, dass wir immer durch unsere Sinne wahrnehmen werden.
  • Wir können in gewissem Mass eine eingeschränkte Sicht von Gottes Perspektive erlangen, etwa durch sein Wort.
  • Unsere endlichen menschlichen Perspektiven sind interdependent, das heisst hängen gegenseitig voneinander ab.
  • Um zur Wahrheit vorzudringen, müssen Gottes Gedanken „nachgedacht“ werden.
  • Wir werden nie eine vollkommene Perspektive der einen Wahrheit erhalten, doch diese stückchenweise ausbauen.
  • Gott Wort beschreibt dieselben Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven (vier Evangelien, Könige/Chroniken, Geschichtsbücher/Psalmen, zweimal die Zehn Gebote etc.).
  • Die Zehn Gebote geben zehn verschiedene perspektivische Zugänge zum Leben.

Drei Perspektiven

  1. Das Geheimnis der heiligen Dreieinheit: Drei Personen, ein Gott. Sie sind voneinander unterschieden, es sind jedoch alle Personen in eine Handlung involviert. Die drei Personen sind mehr als drei Perspektiven, aber nicht weniger. Jede Person ist göttlich und verfügt über dieselben göttlichen Eigenschaften.
  2. Die göttliche Herrschaft („Divine Lordship“): Innerhalb von Gottes erlösendem Wirken (redemption) können wir zwischen den drei Aspekten Kontrolle, Autorität und Gegenwart unterscheiden. Er kontrolliert alle Dinge durch seine Macht, spricht mit absoluter Autorität, Gehorsam fordernd, und offenbart sich seinem Volk durch „Bundesnähe“ (covenant intimacy). Jeder der drei Aspekte beinhaltet den anderen, es sind stets alle drei beteiligt.
  3. Die drei Ämter: Die drei Aspekte der göttlichen Herrschaft widerspiegeln sich in den drei Ämtern Priester, König und Prophet.
  4. Drei Aspekte der Erlösung: Die drei Aspekte der göttlichen Herrschaft widerspiegeln sich in der Erlösung, durch welche Gott mächtig in der Geschichte handelt (Kontrolle), sein autoritatives Wort verkündigt (Autorität) und unter bzw. in seinem Volk wohnt (Gegenwart).
  5. Drei Aspekte der Erkenntnislehre (Epistemologie): Die von Gott geschaffene Welt ist das Objekt. Die Norm ist Gottes autoritative Offenbarung. Das Subjekt ist die Person, die vor Gott Angesicht lebt. Davon leiten sich drei Perspektiven der Erkenntnis ab: Die normative („was vermitteln uns Gottes Normen?“), situative („was sind die Fakten?“) und existenzielle („welche Überzeugung ist die befriedigendste für ein glaubendes Herz?“).
  6. Drei Aspekte der Ethik: Die säkulare Ethik trennt zwischen existenzieller (grundlegende ethische Entscheidungen aufgrund von Gefühlen), teleologischer (auf das Glück ausgerichtete) und deontologischer Ethik (fokussiert auf Pflichten). Die biblische Ethik integriert die drei Sichtweisen perspektivisch.

Evaluation

Frame selber schwankt zwischen der Auffassung, dass dieser tri-perspektivische Ansatz die Struktur unseres Universums widerspiegelt und der (bescheideneren) Ansicht, dass sie eine didaktische Hilfestellung bietet.