Input: Das überwältigende biblische Zeugnis von Gottes Vorsehung

John Frame nimmt in den zwei Kapiteln über Gottes Vorsehung eine beeindruckende Zusammenschau der biblischen Lehre vor (in Systematic Theology, S. 141-183).

Sein Plan kommt zustande (efficacy)

Nichts ist zu schwierig für Gott (Jer 32,27), nichts zu wunderbar (Sach 8,6), nichts unmöglich (Gen 18,14; Mt 19,26; Lk 1,37). Sein Plan kommt stets zustande, z. B. gegen Assyrien:

Der Herr der Heerscharen hat geschworen und gesagt: Fürwahr, es soll geschehen, wie ich es mir vorgenommen habe, und es soll zustandekommen, wie ich es beschlossen habe: Ich will den Assyrer zerschmettern in meinem Land, und ich will ihn zertreten auf meinen Bergen; so wird sein Joch von ihnen genommen werden und seine Last von ihren Schultern fallen. Das ist der Ratschluß, der beschlossen ist über die ganze Erde, und dies ist die Hand, die ausgestreckt ist über alle Völker! Denn der Herr der Heerscharen hat es beschlossen — wer will es vereiteln? Seine Hand ist ausgestreckt — wer will sie abwenden? (Jes 14,24-27; auch Hiob 42,2; Jer 23,20)

Sein Wort kehrt nicht leer zurück (Jes 55,11; Sach 1,6). Kein Rat kann gegen ihn bestehen bleiben (Spr 21,30; auch 16,9; 19,21). Gott erreicht stets seine Absicht.

Ich verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluß soll zustandekommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen. (Jes 46,10; vgl. Dan 4,35; Mt 11,25f; Eph 1,4f+9)

So wie ein Töpfer den Ton formt, bestimmt Gott über den Menschen (Jes 29,16; 45,9; 64,8; Jer 18-10; Röm 9,19-24). Sünder widerstehen ihm zwar (Jes 65,12; Mt 23,37-39; Lk 7,30; Ag 7,51; Eph 4,30; 1Thess 5,19; Hebr 4,2; 12,25), können aber nicht gegen ihn ankommen.

Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Gedanken seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht. (Ps 33,11)

Aber unser Gott ist im Himmel; er tut alles, was ihm wohlgefällt. (Ps 115,3)

Alles, was dem Herrn wohlgefällt, das tut er, im Himmel und auf Erden, in den Meeren und in allen Tiefen. (Ps 135,6)

Ja, von jeher bin ich derselbe, und niemand kann aus meiner Hand erretten. Ich wirke — wer will es abwenden? (Jes 43,13)

Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, so daß niemand zuschließt, und zuschließt, so daß niemand öffnet. (Offb 3,7)

… in der ganzen Welt

a)      durch Naturereignisse

Gott hat den ganzen Kosmos geschaffen (Gen 1; Ex 20,11; Ps 33,6+9; 95,3-5; 146,5f; Jer 10,12; 51,15-16; Apg 17,24; Kol 1,16). Die Ereignisse der natürlichen Welt werden Gott zugeschrieben. (Ps 65,9-11; 135,5-7; 147,15-18). Gott lässt nicht nur zu, dass Ereignisse geschehen, er bringt sie selber hervor (makes them happen). Selbst zufällige Ereignisse wie Losentscheide sind miteingeschlossen (Spr 16,33). Naturereignisse als Gerichte sind genau zugemessen (Ex 9,13-26; Amos 4,7; Gen 41,28-32). Die Kontrolle besteht selbst über die kleinsten Details von Mensch und Schöpfung (Mt 5,45; 6,26-27; Mt 10,29f; Lk 12,4-7).

b)      in der menschlichen Geschichte

Gott teilt den Völkern Grenzen zu (Apg 17,26). Er ist nicht nur der Gott Israels, sondern der ganzen Erde (Ps 2,6-12; 47,1-9; 95,3; Gen 18,25). Sein Wirken lässt sich durch die gesamte Heilsgeschichte verfolgen:

  • Gott führt Josephs Leben (Gen 41,16+28+32; 45,5-8; 50,20).
  • Er bringt Israel ins Land (Ex 23,27; Deut 2,25; Gen 35,5; Jos 21,44f).
  • Er bewahrt sein Volk vor Angriffen (Mich 4,12; Spr 21,31), er gewährt Sieg (Deut 20; Richt 7,1-8; 1Sam 14,6).
  • Das Ergebnis von Kriegen liegt stets in Gottes Hand (Deut 3,22; Jos 24,11; 1Sam 17,47; 2Chr 20,15; Sach 4,6).
  • Gott braucht Völker als Instrumente zur Züchtigung Israels und richtet diese später selbst (Jes 10,5-12; 14,24f; 37,26; Hab 1,6-11).
  • Gott schickt sein Volk ins Exil (Jer 29,11-14). Später zerstören die Meder die Babylonier (Jer 51,11). Er setzt Könige ein und wieder ab (Dan 2,21).
  • Durch Gottes Anordnung schickt der Perserkönig einen Überrest Judas zurück ins Land (Jes 44,28; 45,1-13; Esra 1,1).
  • Durch Gottes Ratschluss wird Jesus ans Kreuz gebracht (Apg 2,23-24; vgl. 3,18; 4,27f; 13,27).
  • Judas schreckliche Handlung ist, obwohl er selbst die Verantwortung trägt, festgelegt (Lk 22,22).
  • Der Tod Jesu geschah zur bestimmten Stunde (Joh 2,4; 7,6+30+44; 8,20; 12,23+27 13,1; 16,21; 17,1).
  • Gott erweckte Jesus von den Toten und schickt die Gemeinde an seiner Stelle in die ganze Welt (Mt 28,19f; Apg 1,8).
  • Gott ordnete an, dass wenige Juden und viele Heiden glauben würden (Röm 9-11).
  • Gott kündigte an, dass Paulus viel leiden würde (Apg 9,16+23; 21,10f)

Paulus bricht angesichts von Gottes Weisheit in seiner Heilsgeschichte in Jubel aus (Röm 11,33-36).

c)       im einzelnen menschlichen Leben

  • Gott erwählte die Seinen vor Grundlegung der Welt (Eph 1,4).
  • Die Kontrolle beginnt vor der Geburt (Jer 1,5).
  • Die gesamte menschliche Fortpflanzung steht unter Gottes Kontrolle (Gen 4,1+25; 18,13f; 25,21; 29,31-30,2; Deut 10,22; Ruth 4,13; Ps 113,9; 127,3-5).
  • Gott ist aktiv während und nach der Zeugung (Ps 139,13-16).
  • Auch nach der Geburt bleibt das Leben in Gottes Hand (Ex 21,12f).
  • Naomi sah das Leben ihrer Söhne in Gottes Hand (Ruth 1,13).
  • Hanna realisiert: Gott tötet und macht lebendig (1Sam 2,6f).
  • Die Unterschiede der Begabungen kommen aus Gottes Hand (Röm 12,3-6; 1Kor 4,7; 12,4-6).
  • Selbst die Tagespläne stehen in Gottes Hand (Jak 4,13-16).

d)      in menschlichen Entscheidungen

Hier können nochmals erwähnt werden: Josefs Brüder (Gen 45,5-8); Kyrus (Jes 44,28); Judas (Lk 22,22). Gottes Absicht verhindert menschliche Absichten: Josef kann nicht getötet werden; Goliath kann David nicht töten; Jeremia nicht im Mutterleib sterben.

Das menschliche Herz plant, Gott lenkt die Schritte (Spr 16,9; 21,1 in Bezug auf Könige). Gott lenkt das Herz aller Menschen (Ps 33,15).

  • Gott gab den Israeliten Gunst in den Augen der Ägypter (Ex 12,26)
  • Gott ordnete an, dass die Israeliten nicht angegriffen werden, wenn sie zum Tempel gehen (Ex 34,24).
  • Gott setzte Schwert gegen Schwert der Feinde Israels (Richt 7,22).
  • Er war es auch, der Daniel Gnade vor seinem Aufseher gab (Dan 1,9).
  • Er kehrte die Meinung des Königs von Assyrien (Esra 6,22).
  • Die Evangelien erzählen uns ein übers andere Mal, dass sich Dinge ereigneten, damit die Schrift erfüllt wurde.
  • Gott sieht Handlungen nicht nur voraus, sondern er erfüllt in ihnen seine eigene Absichten (griech. dei, Mt 16,21; 24,6; Mk 8,31; 9,11; 13,7+10+14; Lk 9,22; 17,25; 24,26 etc.)

e)      durch Sünde

Seine Anordnungen betreffen sogar sündige Handlungen – auch wenn das sündige menschliche Herz (Jer 17,9) sie frei wählt. Gott verhärtete das Herz des Pharao (Ex 4,21; 7,3+13; 9,12; 10,1+20+27; 11,10; 14,4+8; parallel steht: Er verhärtete sein Herz selbst.) Gott warnt, bevor er verhärtet (Ps 95,7f). Gott verhärtete Sihon, als Israel Durchlass begehrte (Deut 2,30; siehe auch Jos 11,18-20; 1Sam 2,25; 2Chr 25,20). Gott schickte Saul einen bösen Geist (1Sam 16,14) und Ahab falsche Propheten (1Kön 22,20-23). Gott verhärtete das Herz seines Volkes und ihrer bösen Könige (Jes 6,9f; 63,17; 64,7). Er veranlasste die Heirat Simsons mit einer Philisterin (Richt 14,4), wie er auch David zur Sünde der Volkszählung reizte (2Sam 24,1). Rehabeam wurde abgehalten auf weisen Rat zu hören, weil die Teilung Israels von Gott beschlossen war (1Kön 12,15).

Die Juden wurden angesichts von Jesu Dienst verhärtet (Mt 13,14f; Joh 12,40). Paulus und Petrus sprechen in ähnlicher Weise von ihrem Dienst (2Kor 2,15; 1Petr 2,6-8). Gottes Wort bringt Heil und Erlösung, aber in einigen Fällen auch Dunkelheit und Unglaube (Röm 11,7f). Vor den Juden (Röm 9,22-26; 11,11-16+25-32) verhärtete er die Heiden (Röm 1,19-28). Der Kulminationspunkt von Gottes Souveränität über die Sünde war das Erzverbrechen der Menschen, die Kreuzigung Jesu (Apg 2,23; 4,28; 13,27).

f)     durch das Bewirken von Glaube und Erlösung

Die Erlösung gehört dem Herrn (Jon 2,9). Ohne seine Erlösung sind wir ohne Hoffnung in der Welt, tot in unseren Übertretungen (Eph 2,1-10+12). Die Erlösung ist Gottes Werk (Eph 1,4-6; 2Tim 1,9), sie geschieht durch seine Anordnung (1Thess 1,4; 5,9; 2Thess 2,13f). Es gibt eine menschliche Entscheidung Christus anzunehmen (Joh 1,12; 3,15f; 6,29+40; 11,26). Diese Wahl kann jedoch nie die Ursache für Gottes Wahl sein, sondern nur ihre Folge. Wie kann die Erlösung das einzige Ereignis ausserhalb von Gottes Kontrolle sein? Undenkbar! Die menschliche Antwort ist Gottes Geschenk (Joh 6,37+44+65; Röm 8,15; Apg 16,14; 13,48 vgl 11,21+23; 18,27). Busse ist Gottes Werk in uns (Apg 5,31; 11,18; 2Tim 2,25). Gottes Ruf zur Einheit in Christus kommt zustande (Röm 1,6f; 8,30; 11,29; 1Kor 1,2+9+24+26; 2Thess 2,13f; Hebr 3,1; 2Petr 1,10). Auch unser geistliches Verständnis ist göttliches Geschenk (Mt 11,25-27; 1Joh 5,20; 2,20f+27). Die Kraft der Verkündigung kommt durch das Wort Gottes (1Kor 2,4f; 1Thess 1,5; 1Thess 2,14). Gott beschneidet und wechselt unsere Herzen aus (Deut 30,6; Jer 31,31-34; Hes 11,19; 36,26; Tit 3,4-7; 2Kor 5,17). Auch unser weiterer Gehorsam hängt ganz von Jesus ab. Ohne ihn können wir nichts tun (Joh 15,5). Ohne Gottes Gnade bleiben wir in der Sünde (Eph 2,1; Röm 7,18; 8,6-8); er bewirkt Wollen und Vollbringen (Phil 2,13).

Fazit

Nichts ist wichtiger, speziell bei dieser Stelle in der Geschichte der Theologie, als das Volk Gottes zu überzeugen, dass die Schrift Gottes unwiderstehliche, universelle Kontrolle über die Welt lehrt, und das an allen Ecken und Enden! Was er spricht, kommt zustande (Kgl 3,37f). Die Zuversicht, dass Gott in allen Dingen führt, endet in im grossen Lied: Nichts kann uns von ihm trennen (Röm 8,38f). Alles Geschehen zielt auf die Verwirklichung seines Ratschlusses (Eph 1,11).

Gottes Engagement in dieser Welt ist dreifach (vgl. Röm 11,36):

  • Er ist Schöpfer (alles ist „von ihm“)
  • Herrscher (besteht „durch ihn“)
  • und letztes Ziel (existiert „für ihn“).