Kolumne: Gegen das Diktat der Mittelmässigkeit

Für die „Freie Welt“ habe ich eine Reflexion anlässlich des Besuchs eines Musikwettbewerbs geschrieben:

Einmal mehr durfte ich an einem regionalen Musikwettbewerb beiwohnen. Nicht nur geniesse ich die musikalischen Darbietungen. Ich lasse mich gerne in die Atmosphäre vor, während und nach Auftritten mit hineinnehmen. Ich liebe es in einer Umgebung, die von Musik klingt, zu lesen. Die Stunden des Wartens sind für mich darum nicht langweilig, sondern stimulierend.

Gleich nach dem Betreten des Gebäudes tauche ich in eine andere Welt ein. Hier trifft sich eine Subkultur, bestehend aus musikalisch interessierten, leistungswilligen Menschen samt Angehörigen und Lehrern. Es herrscht gespannte Wettkampfatmosphäre.

Ich gewinne dem Anlass durchaus Positives ab. Ein Wettbewerb lässt das Kind sich in Konzentration üben. Es lernt mit Aufregung umzugehen und vor einem Publikum aufzutreten. Es lernt seinen Körper besser kennen, merkt Einflüsse von Nahrung, Trinken, Schlaf und Bewegung. Nach dem Auftritt, in den Wartepausen und auf dem Rückweg eröffnen sich Gelegenheiten zum Gespräch: Was denkst du kurz vor dem Auftritt? Was sind deine ersten Gedanken danach? Was fällt dir bei den anderen auf? Was kannst du von ihnen lernen? Was bewirkt ein solcher Auftritt in dir? Wir sprechen über Ängste, Hoffnung, Beruf und Berufung.

P. S. Diese Kolumne ist keine Verherrlichung der Leistungswelt vs. Konsumwelt.