Buchbesprechung: Moderne Väter

Thomas Schirrmacher. Moderne Väter. Weder Waschlappen noch Despot. hänssler: Holgerlingen, 2007. 92 Seiten.

Dieses Buch habe ich 2010 gelesen und seither mehrmals zur Hand genommen. Noch wichtiger: Einige Anregungen habe ich umgesetzt bzw. sind meine eigene Gewohnheit geworden. Die Reihe „kurz und bündig“ enthält Fakten und Basisinformationen, Diskussionen kontroverser Fragen und praktische Hilfe und Hinweise zum Weiterarbeiten. Als Student der Theologie habe ich eine ganze Anzahl von Schirrmachers Vorlesungen erlebt und angehört. In diesem Buch schimmert seine persönliche Erfahrung durch, etwa im Aufsatz auf S. 16-18 (verfasst 1999) oder in einer Anleitung zur Aufteilung von Aufgaben zwischen Mann und Frau (63).

Die Ausgangslage

Die Mehrheit der Väter ist verunsichert (11).  „Eltern müssen heute miteinander viel mehr regeln und entscheiden als früher. Kaum noch etwas ist vorgegeben, dafür hat die Zahl der Möglichkeiten in allen Lebensbereichen enorm zugenommen.“ (12)

Fünf Fakten

  • Wer sich als Christ für die lebenslange Einehe aus Liebe und Verpflichtung stark macht und meint, dass Kinder Mutter und Vater als Bezugspunkt brauchen, gilt in Deutschland als Ewiggestriger, zur gleichen Zeit aber in Saudi-Arabien als Revoluzzer, der die altehrwürdige Kultur aus den Angeln heben will (21).
  • Werdende Väter haben ganz ähnliche Hormonausschläge wie die schwangeren Frauen. (28)
  • Mit acht Wochen können Babys mit den komplexen Unterschieden im Stil von Fürsorge und Umgang bei Mutter und Vater rechnen. (44) Kinder, die ohne Vater aufwachsen sind ungleich stärker gefährdet für Selbstmord (5-mal), von zu Hause wegzulaufen (32-mal), Vergewaltigung zu begehen (14-mal), frühzeitig die Schule abzubrechen (9-mal), Drogen zu nehmen (10-mal), in einer Erziehungsanstalt zu landen (9-mal), sich im Gefängnis wiederzufinden (20-mal), körperlich misshandelt zu werden (33-mal), Opfer tödlichen Missbrauchs zu werden (73-mal), S. 35.
  • Während 1850 noch die meisten Kinder dem Vater zugesprochen wurden, ist die Ausgangslage heute umgekehrt. (12)

Fünf grundsätzliche Überlegungen

  • Christliche Erziehung baut auf einer durchgängigen Komplementarität auf: Gesetz und Gnade, Ermutigung und Begrenzung, Selbständigkeit und Führung gehören zusammen. (25)
  • Triangulierung: Ist das Kind mit den Eltern zu dritt, kann das Kind zu einem Elternteil auf gesunde Distanz gehen, ohne die Sicherheit und Geborgenheit zu verlieren. (42)
  • Die Rolle des Vaters ist die des Herausforderers, Mentors und Beschützers der Selbständigkeit. (47)
  • Warum muss man im Leben gerade dann alles erreichen, wenn man kleine Kinder hat? (60)
  • In der Bibel wird 201-mal vom Vaterhaus gesprochen. Und da sollte der Vater mit dem Haus nicht zu tun haben! Vaterschaft bedeutet, etwas (mit) ins Leben zu rufen und dafür die volle Verantwortung nach aussen und innen zu tragen. (66)

Fünf Lernpunkte

  • Die Haltung des Autoren: „Was ich hier schreibe, versuche ich selbst zu leben. Ob das wirklich gelungen ist und gelingt, werden dann meine Kinder einmal in zehn Jahren beurteilen müssen.“ (15)
  • Erste Priorität für die Ehe: Das hat sich im bewegten Leben des Autoren oft als Rettungsanker und Ruhepol bewiesen. (16)
  • Sobald das Kind etwas beobachten kann, ist es Zeit es ihm zu erklären. Sei der Erste, der ihm etwas erklärt! (40)
  • Schaffe Gelegenheiten, möglichst viel mit dem Kind zu reden und von ihm zu hören. (51)
  • Frage die Frau, bei welchen Situationen du im Leben der Kinder präsent sein sollst. (56)

Fazit

Wer Kinder hat, betreibt Selbstprävention (18). Er verändert sich selbst mindestens so, wie er verändert wird (32). Die Verfügbarkeit eines männlichen Rollenmodells ist wesentlich für die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, schulischen Erfolg und Vertrauen in die eigene Leistungskompetenz (36). Die Lektüre hat mich angeregt, mich noch vermehrt mit der Vaterschaftsforschung auseinander zu setzen (Literaturhinweise auf S. 81). Ebenso hilfreich ist die Auseinandersetzung mit den Eigenschaften Gottes, die zu seiner Vaterschaft gehören (siehe 70-72). Nicht zuletzt werden mir es meine eigenen Söhne danken, wenn ich sie durch die Teilnahme an meinem Leben an die harte Wirklichkeit heranführe (62).