Rückblick 2014: 7 Einsichten

Tägliches Leben vor Gott

Seit meinem gesundheitlichen Einschnitt gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht erwache und denke: Es könnte der letzte sein. Dies ist keinesfalls mit einem morbiden Lebensgefühl zu verwechseln! Anders ausgedrückt: Wenn ich morgens im Gebet vor meinen Schöpfer trete, so bitte ich ihn darum, den Tag bewusst vor ihm zu gestalten. Das verschiebt meine inneren Prioritäten, ich kann Dinge einfach weglassen. Oder es drängt mich, Gedanken in Worte zu fassen oder zu äussern, die ich sonst nicht gesagt hätte.

In der Berufung leben

Viele Menschen leben nicht in ihrer Hauptberufung. Warum? Weil sie innerlichem und äusserlichem Komfort den Vorzug geben oder sich einfach den Ansprüchen der Vergleichsgruppe gebeugt haben. Damit nehmen sie sich zumindest teilweise aus dem Segenskanal Gottes. Wer eher den eigenen Ängsten Priorität gibt anstatt mutig zu entscheiden, lebt mit angezogener Handbremse. Unglaublich ermutigend fand ich in diesem Zusammenhang das Buch von Os Guinness „Von Gott berufen“.

Selbsterlösung durch Arbeit

Die einen Menschen suchen Sinn in der Freizeit, die anderen in der Arbeit. Viele wechseln zwischen beiden Bereichen, weil sie spüren, dass beide nicht richtig befriedigen können. Arbeit und Freizeit sind zwei wichtige gesellschaftliche Götzen. Gerade bei jungen Menschen, die ins Arbeitsleben eintreten, stelle ich eine gewisse Naivität fest. Einerseits sind sie es sich gewöhnt, dass alles zur eigenen Befriedigung laufen muss. Diese Botschaft wurde ihnen in der Jugendzeit vermittelt. Andererseits sind sie stark monetär gesteuert. „Ich möchte viel verdienen.“ Das kann doch kein wahres Ziel sein, es ist höchstens eine Massnahme!

Nicht für die Erwartungen anderer leben

Ab und an erhalte ich ruppige Rückmeldungen zu eigenen Bemühungen, gerade auch den schriftlichen. Da gibt es zwei Seiten: Einerseits nehme ich kritische Rückmeldungen sehr ernst. Gott spricht gerade durch Unangenehmes zu mir. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht durch Erwartungen steuern lassen.

Sicherheiten weglassen

Es gab in meinem Leben kein anderes Jahr, in dem ich die Versorgung Gottes von unerwarteter Seite so deutlich vor Augen geführt bekam. Wie oft kamen wir als Familie in unserer Not vor Gott! Ich erinnere mich an über ein Dutzend Male, in denen uns Gott genau im richtigen Moment Unterstützung durch Menschen zukommen liess! Das macht mich zuversichtlich für die Jahre, die kommen.

Warum-Fragen stellen

Ich denke oft an den Beitrag „Das Zwiebelmodell“ auf dem Portal von Josia. Wie wichtig ist es, in Gesprächen zum Motiv durchzudringen. Wir halten uns zu lange an der Oberfläche auf. Wir hören dem anderen zu, wie er von schwierigen Vorkommnissen erzählt. Wir pflichten ihm bei, weil es bequem ist. Dabei wäre es angebracht, unter die Oberfläche, unter das Verhalten, unter den Ärger oder Frust zu dringen. Was treibt das Gegenüber an so und nicht anders zu handeln? Das Dranbleiben erst hat zu kostbaren Momenten der Begegnung geführt.

Das unspektakuläre Leben

Die Werbung suggeriert andauernd: Du musst ein Radikaler, Ausgefallener, Spannender, Ausserwöhnlicher sein! Sonst lebst du am Leben vorbei. Je länger ich über diese Metabotschaft nachdenke, desto weniger kann ich ihr beipflichten: Kein Radikaler möchte ich sein, sondern einer, der vor Gott lebt, und das im Alltag! Es muss nicht immer verrückter, schräger, ausgefallener werden. Insofern spricht mich die Botschaft von Michael Horton „The Ordinary Christian Life“ sehr an.

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