Rückblick 2014: Vier Dinge, die mich beschäftig(t)en

Christenverfolgung: Die Lage von Christen in muslimischen Ländern

Täglich beten wir für die Christen im Irak und in Syrien. Wir hören, dass die Kirchen trotz der Flucht von Neubekehrten gefüllt sind. Es ist uns auch berichtet worden, dass Besuche und Belehrung der neu bekehrten Christen dringend nötig wären. So sitzen wir in unserem Wohnzimmer und beten dafür. Wir gehören – im Bild gesprochen – zum gleichen Körper wie diese Menschen und leiden mit ihnen mit. Trotzdem dünkt es mich bisweilen surreal, mit welchen Problemen wir uns täglich herumschlagen und was zur gleichen Zeit meine Geschwister an einem anderen Ort auf der Erde durchmachen müssen.

Evangelium: Das Erreichen von Menschen in unserer Stadt

Oft blicke ich durchs Fenster unseres Kinderzimmers auf die neue Überbauung in unserer Nähe. Ich sehe die vielen erleuchteten Fenster. Es wohnen dort mehrere Hundert Personen, viele davon mit kleinen Kindern im selben Alter wie unsere. Mit einigen Familien haben wir Bekanntschaft geschlossen. Doch was spielt sich wirklich hinter den vier Wänden ab? Welche Nöte bleiben uns verborgen? Mir fällt auf, dass sich viele (Klein-)Familien bis an den Hals mit Verpflichtungen „zugeschüttet“ haben. Man lebt „5 Minuten vor der nächsten Katastrophe“. Beide Elternteile sind erwerbstätig, mindestens einer von den beiden Partnern steckt in einer Weiterbildung, die Kinder sind fremdbetreut, alle sind dem erbarmungslosen Konsumstress ausgesetzt. Schule, Freizeit- und Förderangebote decken die Kinder zu. Allfällige Lücken werden mit Social Media zugemüllt. Meine Frage: Wie erreichen wir solche Menschen mit der befreienden Botschaft des Evangeliums? (Zusatzfrage: Wie wollen wir dies tun, wenn wir im selben Modus laufen?)

Familie: Eine Nachricht löst die andere ab

Was ich eben beschrieben habe, erleben wir auch als Familie. Der dichte Fahrplan hält mich zwar nicht davon ab, über Dinge echt betroffen zu sein. Doch: Einem Problem folgt gleich das nächste. Kaum ist die eine Fragestellung erledigt, liegt die nächste auf dem Tisch. Man mag mir jetzt sagen: „Du musst es halt gelassener nehmen.“ „Du musst dich einschränken.“ Da frage ich mich: Es steht kein Fernseher in der Wohnung, ich lese keine Tageszeitung, für die Aufnahme sozialer Medien habe ich mich selbst zeitlich limitiert. Und trotzdem dringt so viel auf mich ein.

Gemeinde: Der Einzug des Postmodernismus in unseren Gemeinden

Als Theologe, der sich intensiv mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzt, verfolge ich die Schlagzeilen an den evangelikalen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen. Eigentlich sollte mich das, was zurzeit abgeht, keineswegs überraschen: Die Ideen der letzten Jahrzehnte dringen jetzt mit voller Wucht auf die Gemeinden ein. Jemand hat es in einem FB-Kommentar so zusammengefasst:

Der Witz ist dass der Postmodernismus eigentlich schon tot ist, aber die Frommen graben ihn wieder aus. Das war auch mit dem Rationalismus so, dem das unerklärliche Auftreten Napoléons den Todesstoss gab, aber der theologische Vulgärrationalismus lebte noch Jahrzehnte weiter. Wann werden wieder Christen Ideenschmiede?