Gedanken zum Jahreswechsel: Mein Geld gehört mir?

Womit beschäftigen wir uns täglich? Was nimmt unsere Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch? Es sind die bewegten Bilder, wie ich im ersten Beitrag des neuen Jahres beschrieben habe. Es ist, fahre ich fort, der Umgang mit Geld. Das wurde mir gestern bewusst, als ich mit der Familie schlitteln ging. Die meisten Schlittler dachten vorab nicht an die Versorgung mit Essen und leisteten sich am Fuss des Schlittelhanges Bratwurst, gebrannte Mandeln oder heisse Marroni. Als fünffacher Familienvater hätte mich das gleich 70 bis 100 Schweizer Franken gekostet. Das Geld sitzt vielen von uns so locker in der Tasche (wenigstens dann, wenn es um die eigenen Bedürfnisse geht), so dass die Frage am Jahresanfang berechtigt ist: Wie können wir die Mittel zu seiner Ehre einsetzen? (Damit meine ich nicht, dass wir uns keine heisse Marroni leisten dürften!)

Über Geld spricht man

Über Geld spricht man nicht, besonders wenn man es hat. Wir Schweizer sind besonders diskret in Geldangelegenheiten. Ich glaube, dass es zwei Hauptleiden gibt: Geiz und Habsucht hält uns davor zurück, das Geld zu Gottes Ehre einzusetzen. Verschwendungssucht hat den gleichen Effekt. Wir können das Geld gar nicht mehr zu seiner Ehre einsetzen, weil wir es schon für nichtige Zwecke weggegeben haben. Beide Wege führen an der wahren Freude vorbei. Die einen hüten das, was ihnen nicht gehört und setzen dafür viele Überlegungen und Energie ein. Die anderen stürzen sich ins Ausgeben und investieren ebenfalls viel Zeit und Energie.

Geiz ist nicht geil

Habsucht ist eine Sünde, die direkt neben Ehebruch aufgeführt wird. Ich höre jedoch kaum Andachten, Predigten und Vorträge zum Thema. Was wurde es zuletzt in deiner Gemeinde und in deiner Familie thematisiert? Es gibt einige zuverlässige Anzeichen für Geiz:

  • Ich bin grosszügig mit mir selbst, mit anderen nicht.
  • Ich verschliesse mein Herz in Momenten, in denen mein Gewissen anzeigt, dass Geben angezeigt gewesen wäre.
  • Ich denke oft an meine Einnahmen.
  • Ich fürchte mich vor allfälligen Verlusten (und investiere noch mehr in Vorsichtsmassnahmen).
  • Ich tarne nach meinen Geiz nach aussen. Ich zeige mich dann grosszügig, wenn es nach aussen einen guten Effekt hat.

Das sind nur ein paar Anzeichen, die ich von mir selbst kenne. Unser Herz ist unglaublich erfinderisch darin, die Sünde der Habsucht und des Geizes gut zu tarnen.

Was haben wir, was wir nicht empfangen hätten?

In der abstrakten Erwägung in unseren Gedanken geht es mühelos: Was wir haben, gehört dem, der uns gemacht hat. Unsere Aufgabe ist treue Haushalterschaft. Was bedeutet das konkret? Ich kann hier keine ausgebaute Theologie des Besitzes entfalten (das beste Buch, das ich kenne ist „Geld, Besitz und Ewigkeit“). Drei Hinweise sollen genügen.

  1. Unser Einsatz von Geld verrät viel über unser gelebtes Lebensziel. Machen wir es doch nicht zu kompliziert. Nehmen wir unsere Gesamteinnahmen und schauen wir uns an, was damit passiert. Was wären die drei wichtigsten Erkenntnisse, wenn wir einem anderen Einblick in diese Geldströme geben würden?
  2. Manchmal höre ich die Argumentation: „Das mit dem Zehnten gehört ins Alte Testament. Wir leben nicht mehr unter dem Buchstaben, nicht unter dem Geist.“ Und dann gibt uns dieser Geist die Freiheit, 2,35 % unseres Nettoeinkommens zu spenden? Irgendwie seltsam. Dann halte ich es lieber mit den 10 % und freue mich, nicht unter dem ständigen Druck des Moralisierens stehen zu müssen („man kann auch viel mehr geben“).
  3. Paulus vermittelt eine überaus wichtige Lektion im Vorbeigehen. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, sollen wir uns daran genügen lassen. Daraus leite ich das Prinzip „Leben nach dem Bedarfsprinzip“ ab. Wir können hingehen und aufschreiben, was der monatliche Bedarf ist. Ich bin überzeugt: Es würde so viel übrig bleiben, was wir zur Ehre seines Namens einsetzen könnten!

Und, wie steht es bei mir selbst? Was ich hier schreibe, predige ich in erster Linie selbst.

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