Kommentar: Ohne Wahrheit lässt es sich nicht lange leben

Ron Kubsch hat einige Werke des Neuen Realismus vorgestellt. Sein prophetisch anmutender Kommentar ist es wert wiedergegeben zu werden.

Wir dürfen uns darüber freuen, wenn das Pendel nach diesem heftigen Ausschlag in das Subjektive, in das Expressionistische, in das Gefühl, nun allmählich wieder umschlägt. Überraschend ist das nicht. Ohne Wahrheit, auch ohne „falsche Wahrheit“, lässt es sich nicht lange leben. Im Schatten des „Jeder hat seine eigene Wahrheit“-Lebensgefühls verstecken sich Angst, Unsicherheit oder Herrschsucht und warten auf den Moment, übernehmen zu können.

Gründe und Argumente werden in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen. Das Gefühlige löst sich schleichend auf. Die soziologische Rechtfertigung des Glaubens wird trivial.

Allerdings sollten wir uns nichts vormachen. Der Realismus der Zukunft will Gott nicht. Er wird dazu neigen, mit guten Gründen zu verbannen, was nicht zum „Realen“ gehört, irgendwann möglicherweise recht absolutistisch auftreten. Ich glaube, dass die Sympathien für den Marxismus unter den jungen Intellektuellen Boten sind. Gehört nicht der religiöse Fanatismus, der beispielsweise bei Enthusiasten eines Gottesstaates zu erkennen ist, auch irgendwie dazu? Vielleicht kommen Zeiten, in denen wir uns gern an die Vorzüge des gesellschaftlichen Pluralismus erinnern.

Gemäß dem christlichen Glauben ist uns etwas von Gott (durch die Schöpfung und ihre Ordnung) vorgegeben, zugleich wird uns die Freiheit zur Gestaltung geschenkt. Leider wird diese wunderbare Ausgewogenheit von Ordnung und Freiheit wenig geschätzt. Wir sollten sie uns nicht nehmen lassen.

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