Kinder in die Selbständigkeit begleiten (20): Das Kind als Anteilseigner der Familie

Ein grosses Thema als Vater von fünf Söhnen ist für mich das, was man neudeutsch unter Ownership zusammenfasst. Worum geht es? Je mehr ein Kind in die Gesellschaft hineinwächst, also der Anpassungs- und Ausbildungsprozess fortschreitet, desto mehr sollte es mit eigenen Aufgaben betraut werden. Das heisst, es erhält den Raum, um Ideen zu äussern, zu planen und – zum Nutzen für andere – umzusetzen.

Die aktuelle gesellschaftliche Devise lautet eher: Er muss sich zwar schon früh von den Eltern getrennt werden (je früher, desto besser für die Ausbildung von gemeinschaftsbildenden Kompetenzen); doch es vergehen Jahrzehnte, bis er einen erkennbaren Beitrag an die Gesellschaft zu liefern hat. Die Erwachsenen haben bis dahin die Pflicht, das Kind zu unterhalten. Sie haben dafür zu sorgen, dass es bei Laune bleibt.

Die Diskrepanz zwischen Kräfteeinsatz der Versorger und den Versorgten ist bereits in den Jugendjahren unerträglich gross. Die Jahre, in denen das heranwachsende Kind am meisten Kraft und Energie aufbringt, scheinen dafür reserviert zu sein, „das Leben zu geniessen“. Die Vorbereitung auf die nächste Lebensphase ist unangenehme Pflicht, das Vergnügen in der Freizeit die ersehnte Freiheit. Noch grotesker wird es allerdings, wenn ein Mann die Dreissig oder gar Vierzig überschreitet, bis er „richtig“ in das Erwerbs- und Familienleben ankommt. (Man mag mir entgegenhalten, dass das Durchschnittsalter und die Länge der Erwerbszeit ansteige.)

Ich habe deshalb begonnen, meine Söhne zu "Anteilseignern" der Familie werden zu lassen. Ständig überlege ich mir, wie ich meinen Söhnen eigene Felder zuteilen kann, in denen sie Verantwortung übernehmen. Nur nicht zu weit suchen! Zuerst können sie dies am eigenen Lernprozess umsetzen. Mein Ziel besteht darin, sie bis zum Alter von 13 Jahren zu befähigen, selbständig zu lernen. Zeit und Energie teilen sie selbst ein. Sie sind fähig zu erkennen, was sie nicht verstehen und auf andere zugehen, um zu fragen. Zweitens bietet sich der eigene Anteil an der Hausarbeit als Lernfeld an. Die Kinder tragen täglich einen Teil zum Wohl des Familienunternehmens bei. Es geht nicht an, dass die Eltern ständig hinterher räumen und sie am laufenden Band erinnern. (Ich weiss, wie mühsam die Umsetzung dieses Ziels sein kann!) Drittens kann die Bewirtschaftung von Pflanzen dazu gehören. Der Prozess vom Kauf der Samen bis zur Ernte gehört in ihre Hand. Mit dem Ertrag beliefern die eigene Familie, Nachbarn und manchmal auch Dritte. Die Bezahlung kann als zusätzlicher Anreiz dienen. Das kann sehr viel Freude bereiten! Viertens nutzen wir die Gelegenheiten aufzutreten, sei dies mit musikalischen Einlagen, Theater oder selbst verfassten Inhalten.

Eine wunderbare Idee meiner Frau betrifft schon die kleinen Kinder: Sie bekommen etwas Geld, um sich über eine Zeit mit Zutaten für das Frühstück oder die Zwischenverpflegung einzudecken. Die Brüder beraten sie bei der Investition. Mit strahlenden Augen holen sie ihre Schätze hervor. Mit Vergnügen teilen sie mit den anderen Familienmitgliedern. Es ist wunderbar zu erleben, wenn ein Kind die Freude erfährt, Dinge zu erwerben, zu bewirtschaften und zu verteilen! Das ist Ownership.

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