Alf und Ben, Ben und Alf (1): Bens Chef

Alf ist acht. Er wohnt mit seinem Vater Ben in einer kleinen Mansardenwohnung. Es ist ein Altbau. Siebter Stock. Im Winter ist es kalt, im Sommer heiss. Es gibt ein Abkommen zwischen den beiden: Derjenige, den die Unordnung mehr stört, der räumt auf. Alf geht morgens kurz nach sieben mit Ben aus dem Haus. Ben arbeitet in der Stadtverwaltung. Genauer gesagt in der Lehrmittelzentrale. Alf war schon mal mitgegangen und hatte Bens Vorgesetzten geärgert. Es bot sich an. Der sass mit einem geröteten, aufgedunsenen Gesicht auf seinem schwarzen Bürostuhl. Es knarrte, wenn er sich etwas bewegte. Sein fülliger Körper drängte sich über die Rücklehne. Er tat so, als würde er Alf nicht bemerken. Der Schreibtisch war so sauber aufgeräumt wie die Wohnung, wenn der Sozialarbeiter Ben und Alf einen Besuch abstattete und sah, ob Alf auch recht erzogen wurde. Das Büro von Bens Chef lag direkt neben dem Bücherlager. Alf begann zuerst, ein Magnet gegen die Lagergestelle zu klicken und wieder wegzuziehen. Das gab einen schönen metallischen Klang. Dann ging er dem Gestell entlang und zupfte einige Bücher etwas heraus, andere schob er bis an die Wand des Gestells. Das sah lustig aus. Wann würde Ben endlich kommen? Es war langweilig. Etwas zögernd zog er einen dicken Ordner aus dem Gestell und liess ihn auf den Boden fallen. Es klapperte. Der füllige Vorgesetzte erhob sich schnell von seinem Stuhl, trat zu Alf, sah ihm wütend ins Gesicht, bückte sich schwerfällig und hob den Ordner auf. „Du kannst zuhause spielen“, zischte er ihn wütend an. In dem Moment kam Ben um die Ecke, die Jacke in der Hand. Alf nahm Ben bei der Hand und zerrte ihn Richtung Eingang. Er liess es sich nicht nehmen, ein kurzes, schadenfreudiges Lachen auszustossen. Ohne Gruss verliessen die beiden Bens Arbeitsplatz.

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