Buben in die Selbständigkeit begleiten (22): Gott im Streit ins Zentrum rücken

Ein ganz normaler Samstagmorgen. Es ist vor sieben Uhr. Meine Frau und ich besprechen einige Überlegungen, die mich als Vater und Familienoberhaupt betreffen. Ich bin betroffen ob meinem Versäumnis. Wir bringen die Sache vor Gott. Dann hole ich die Bibel, um meiner Frau vorzulesen. Sie hat als Wunsch geäussert, dass ich mich am Morgen mit meiner Bibel nicht nur zurückziehe. Ein Junge nach dem anderen bevölkert unser Bett. Es wird laut. Streit entbrennt. Die Konkurrenz ist hart. Sie reiben sich gegenseitig. Bald ist der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr weiter vorlesen kann.

Der Streit eskaliert. Tränen und erste Blessuren. Ich schicke alle Jungs auf ihr Zimmer – mit einer Frage. Die beiden Anstifter sollten sich Überlegungen dazu machen, warum sie so gehandelt haben. Zudem forderte ich sie auf, sich zu überlegen, wie wir den Morgen anders gestalten könnten. Ihre ersten Antworten zielen wie gewohnt auf das Verhalten. Sie tragen mir vor, wie sie sich brav verhalten würden. Ich schüttle den Kopf. „Um das geht es mir nicht. Überlegt euch nochmals, was in euch drin abgeht, wenn ihr so handelt.“ Ich will keinen äusseren Gehorsam. Das wird über kurz oder lang zum Doppelleben führen.

Am Frühstückstisch besprechen wir ihre Antworten. Ich frage nach, wie Gott durch die Bibel zu ihnen gesprochen hat. Sie bringen ihre Überlegungen vor. Ich erinnere sie daran, dass sie dies nicht (nur) tun, um ihren Vater zufrieden zu stellen. Wir entdecken anhand der gelesenen Abschnitte, dass wir jeden Tag an das Opfer von Jesus erinnert werden müssen, so wie das Volk Israel jeden Tag Opfer darbrachte. War das nicht eine Verschwendung von Material und Tieren? Nein, es war zentral für das gemeinschaftliche Leben. Wir besprechen, dass meine Aufgabe als Vater in einigen Jahren zu Ende sein und sie dann weiter vor Gott leben würden. Wie beim Volk Israel ist davon auszugehen, dass im Normalfall das Leben ohne Gesetz Gottes gestaltet wird. Alle sieben Jahre sollte darum das gesamte Gesetz vorgelesen werden.

Zwei Dinge wurden mir bewusst: Erstens ist es meine Aufgabe, den Ursachen des Streites nachzugehen. Dabei geht es nicht darum, moralistisch zu verkünden, dass sie sich fortan brav zu verhalten hätten. Zweitens darf mich der Streit nicht davon abhalten, Gott in diese Morgenstunden einzubeziehen. Im Gegenteil: Durch den Streit hindurch rangen wir darum, zu Gott zurückzukehren. Wir erkannten, wie zentral sein Opfer für unseren Alltag war. Ich war selbst so getroffen von der biblischen Botschaft, dass ich in Tränen ausbrach.

Ich wünsche mir mehr solche Momente. Auch wenn sie hart sind.

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