Input: Die neue evangelikale Orthodoxie – ein Beispiel

Thomas Schneider, Beauftragter der AG Welt, berichtet von einem Telefongespräch mit einem Pastor. Ich gebe seine Schilderung mit seiner Genehmigung wieder. Ich glaube, dass es den Fortschritt des theologischen Liberalismus auch in Freikirchen auf den Punkt bringt. Es entsteht eine Art "neue Orthodoxie".

Heute morgen rief mich ein Pastor an und schimpfte: "Hören Sie doch endlich auf, den Menschen einzureden, dass Muslime an einen anderen Gott glauben als Christen. Sie müssten doch wissen, dass es Jesus immer um Liebe und Toleranz ging. Wenn Sie in das gleiche Horn wie Olaf Latzel blasen, werden Sie auch Schwierigkeiten bekommen. In unsere Gemeinde lade ich Sie jedenfalls nicht ein, auch wenn mich einige daraufhin angesprochen haben. Ich bin froh, dass ich viele davon überzeugen konnte, dass wir alle an einen Gott glauben."

Nachdem ich mir seine Position angehört hatte, fragte ich ihn: "Lieber Bruder, kennen Sie Gottes Wort?" Seine Antwort: "Ja klar, wozu habe ich denn Theologie studiert." Ich fragte weiter: "Glauben Sie, dass das Wort Gottes, was Sie in der Bibel vor sich haben, unfehlbares und vom Heiligen Geist gewirktes Wort Gottes ist?" Seine Antwort (nach einigem Zögern): "Menschen haben mit Gott viel erlebt und das haben sie aufgeschrieben. Es hilft ihnen, das höchste Ziel zu erreichen: das Gute in sich und in dieser Welt zu suchen und zu finden. Mag sein, dass Gottes Geist da mitgewirkt hat. Aber es gibt auch große Widersprüche in der Bibel, eben weil es Menschenwort über Gott ist."

Daraufhin fragte ich ihn: "Wer ist für Sie Jesus Christus?" Seine Antwort: "Na, der Sohn Gottes, wer sonst? Aber Ihre Fragerei geht mir langsam auf die Nerven…" —

"Nun, Sie haben mich doch angerufen, so erlauben Sie mir, auf Ihren anfänglichen Kritikpunkt zurück zu kommen. Wenn Jesus zu Gott Vater sagt und Christusnachfolger deshalb auch Vater zu Gott sagen dürfen, für Muslime aber das eine Lästerung Allahs ist, glauben Sie dann immer noch, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben? –"Der Begriff ´Vater´ ist doch nur ein Bild-Name."

"Muslime halten sich an den Koran, dort steht, dass Jesus nicht für unsere Sünden gekreuzigt worden sei, sondern einer der ihm ähnlich war." Darauf der Pastor: "Gott kann niemals so grausam sein, dass er seinen Sohn am Kreuz für die Sünden der ganzen Welt verbluten lässt. Es war ein Märtyrertod für eine gute Sache. Jesus hat immer das Gute im Menschen gesehen und so soll jede Gesellschaft gebaut werden."

"Also ist für Sie Jesus auch nicht von den Toten auferstanden?" — "Das weiß keiner so richtig. Die Hoffnung dürfen wir natürlich haben. Aber kommen Sie mir jetzt bloß nicht noch damit, dass Menschen in die Hölle wandern, wenn sie nicht alles glauben, was in der Bibel steht…"

"Lieber Bruder, es fällt mir schwer, Bruder zu sagen. Aber bei Gott ist kein Ding unmöglich, dass nicht auch Sie durch Gottes Geist zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Haben Sie schon den Koran gelesen?" — "Nein. Aber ich sollte das tun." —

"Ja, wenn Sie den Koran gelesen haben, dann lesen Sie bitte gleich im Anschluss daran das Johannesevangelium. So Gott will, werden Sie Jesus Christus als den wahren Gott erkennen, der keine anderen Götter neben sich duldet, auch keinen Allah der Muslime." — "Sie geben wohl nie auf, was?" — "Nein. Aber nicht um meinetwillen, sondern um Ihretwillen. Jesus Christus segne Sie auf Ihrem Weg!" –

Dann hörte ich nur noch, wie der Pastor den Hörer auflegte. Leider habe ich keine Telefonnummer von ihm, da die Nummer unterdrückt war. Aber ich darf für ihn beten.

 

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