Buchbesprechung: Den Spielplan von Gottes Feind kennenlernen

Wer hat sich schon einmal konkrete Gedanken angestellt, wie der konkrete Plan von Gottes Gegenspieler aussieht

  • Mann und Frau in der Ehe einander zu entfremden
  • Eltern und Kinder in getrennten Welten leben zu lassen
  • Kindern durch die Peer gezielt zu schaden?

Wie er scheinbar belanglose Situationen gezielt ausnützt, zum Beispiel

  • eine ungehaltene Reaktion oder einen Zorausbruch
  • ein unverfängliches Mittagessen mit einer Arbeitskollegin
  • die Suche nach einem genauen Timing für das Ansprechen auf das Evangelium
  • Mutlosigkeit
  • den Fernseher
  • Gottesdienste
  • Freunde und Familienmitglieder
  • eine Notlüge am Arbeitsplatz
  • Ablenkung und Zerstreuung?

Richtig. C. S. Lewis nahm sich vor, genau dieses Szenario durch den fiktiven Briefwechsel zwischen Wormwood und Screwtape darzulegen. Er tat dies in den 1940er-Jahren. Randy Alcorn hat den Faden aufgenommen und aktualisiert diese Idee mit einer Schilderung des Lebens einer vierköpfigen amerikanischen Familie, bestehend aus Jordan, Diane, Jillian und Daniel. Es ist eine Mischung zwischen kurzen Ereignissen und Dialogen sowie dem Briefwechsel zwischen Graf Moderthal und seinem Dämon Qualob. Das Lesen stärkte mein Verlangen nach der Bibel, Gebet und einem aufrichtigen Leben vor Gott.

Eine kleine Leseprobe?

Trotzdem musst du auf der Hut sein, weil Romane die Fantasie beflügeln und zum Nachdenken anregen können. Deshalb sind Fernsehsendungen oder ein harmloses Sachbuch einem Roman fast immer vorzuziehen. Wenn die Schleimbeutel lesen, besteht die Gefahr, dass sie zwischendurch innehalten und ihr eigenes Leben kritisch unter die Lupe nehmen. Filme und Fernsehsendungen werden dagegen meist kritiklos akzeptiert. Sie beeinflussen das Unterbewusstsein dieser Geschöpfe und unterminieren dort jegliche Werte, ohne dass die Bet roffenen groß nachdenken oder sich selbst hinterfragen müssen. Die modernen Medien arbeiten so zuverlässig, dass du kaum noch einzugreifen brauchst.  (56)

… Titanic gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Wie viele junge Christen haben dieses Video in ihren Häusern angeschaut? Stell dir nur einmal Folgendes vor, Qualob: Ein Junge aus einer Jugendgruppe sagt zu seinen Kameraden: »Hört mal, am Ende der Straße wohnt ein hübsches Mädchen. Lasst uns zu ihrem Haus gehen und durchs Fenster zuschauen, wie sie sich auszieht, sich auf einer Couch zurücklehnt und oben ohne für uns posiert. Danach wird sie mit ihrem Freund ins Auto steigen, und die beiden werden miteinander schlafen. Kommt, wir sichern uns einen guten Platz und sehen ihnen so lange dabei zu, bis die Autofenster beschlagen.« Dieses Manöver wäre natürlich viel zu plump, weil jeder merken würde, dass so ein Verhalten nicht richtig ist. Nimmst du jedoch einen Fernseher statt eines Fensters, werden diese Schädlinge sofort auf deinen Vorschlag eingehen. Mehr ist nicht nötig! Male dir nur einmal aus, Qualob, was wir erreicht haben: Jeden Tag beobachten zahllose Christen, wie andere Frauen und Männer sich entkleiden, Unzucht treiben und Ehebruch begehen – obwohl der Feind diese Dinge vera bscheut. Und dazu gehören viele, die in den Verbotenen Schwadronen leitende Stellungen innehaben. Wir haben einen Haufen von Voyeuren aus ihnen gemacht! Die Kirchen sind voller Spanner! Der Feind befiehlt ihnen, die Sünde zu hassen, doch sie finden es unterhaltsam, anderen beim Sündigen zuzusehen. (160f)

Keine Angst, Alcorn hütet sich vor Klischeehaftem:

Es gibt Romane und Erzählungen, die geschichtliche Ereignisse aus der Perspektive des Feindes darstellen. Sie vermitteln Informat ionen, die uns schaden können, betonen die Souveränität des Feindes und erzählen von seiner … Gnade. Belletristik eignet sich hervorr agend dazu, Lügen zu verbreiten, aber bedauerlicherweise ist sie ein ebenso gutes Medium für die Wahrheit. Viele Sachbücher sind mit Lügen gespickt, und manche Romane triefen geradezu vor Wahrheit. Aus diesem Grund ist es hoffnungslos naiv, zu denken: »Das ist ja nur ein Roman.« Zankstoß hat berichtet, du hättest gesagt, Geschichten könnten keinerlei Schaden anrichten. Ist dir noch nie in den Sinn gekommen, dass die Verbotene Botschaft ebenfalls eine Geschichte ist? Weißt du nicht, dass der Zimmermann Geschichten erzählt hat, in die er hochexplosive Wahrh eiten verpackte? Es wäre mir lieber, dieses Ungeziefer würde zehn Sachbücher über Gnade lesen, als dass es die Geschichte versteht, die der Feind über den verlorenen Sohn erzählt hat! (72)

Dem Autoren es geht auch nicht "nur" um offensichtliche Götzen:

Um Fletcher in seinem Stolz zu bestärken, musst du ihm schmeicheln. Überzeuge ihn davon, dass er über den Regeln steht, die für andere gelten. Weil er etwas Besonderes ist, hat er das Recht, Dinge zu tun, die ihn bei anderen stören. Irgendwann wird er ganz von selbst auf die Nase fallen, dafür sorgt schon das Gesetz der Schwerkraft. Stolz ist die offizielle Religion der Hölle. (113f)

… Falls du Fletcher nicht sofort nach unten ziehen kannst, musst du dafür sorgen, dass er sich möglichst viel auf seine neu erworbenen Tugenden einbildet. Verleite ihn dazu, sich über andere erhaben zu fühlen, weil er zu den wenigen Personen gehört, die das Angebot des Feindes angenommen haben. Wenn alle Stricke reißen, musst du an Fletchers Stolz appellieren! Rede ihm ein, es sei sein eigenes Verdienst, dass er die mickrigen Geschenke des Zimmermanns immer besser versteht und gebraucht. Natürlich könnte er sich genauso gut einbilden, er sei für die Farbe seiner Haare verantwortlich. Mach ihn selbstgefällig, anspruchsvoll und unerträglich. (138f)

Und: Es ist tröstlich zu wissen, dass Not die Arbeit Gottes begünstigt.

Je leichter ihr Leben ist, umso weniger Tiefgang hat es. In Friedenszeiten verschwenden sie keinen Gedanken an Gut oder Böse. Wenn sie gesund sind und alles glatt läuft, denken sie weder an ihre eigene Lage noch an die der Welt. Wohlstand ist für unsere Kriegsführung das beste Wetter. Not begünstigt die Arbeit des Feindes. 90 Prozent des christlichen Ungeziefers bestehen die Prüfung der Not, aber bei der Prüfung des Wohlstands fallen 90 Prozent durch. Leiden ist das Megafon des Feindes. Damit kann er sogar diejenigen erreichen, die fast taub sind. (194)

Hier geht es zum Download des Buches.

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