Aus den Medien: Statements und Reflexionen zum deutschen Kirchentag

Vor allem aber: Der Mensch.

Diese Reflexion zum Kirchentag 2015 bringt die entscheidende Verschiebung auf den Punkt:

Wollte man Bullshit-Bingo auf dem Kirchentag spielen, es empfiehlten sich folgende Wörter: Hoffnung, Bildung, Zukunft, Handeln, Gesellschaft, Individuum. Vor allem aber: der Mensch. In all dieser heißen Luft, im heißen Stuttgart, stand er immer wieder im Mittelpunkt. Der Mensch, der aktiv wird, der Mensch, der sich einsetzt, der Mensch, der Kirche ist, und der Mensch, der klug ist. Ich glaube, Gott würde sich auf dem Kirchentag oft einfach fehl am Platze fühlen.

Den Missionsbefehl nicht einfach aus der Bibel streichen

Es gab auch einige klare Ansagen, zum Beispiel von Manfred Siebald:

Christen können den Missionsbefehl Jesu nicht einfach aus der Bibel streichen. Das sagte der Liedermacher Manfred Siebald (Mainz) bei der Veranstaltung „Das Leben ist ein Frommwerden“ auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Der Begriff Mission habe heute „eine enorm schlechte Presse“ – selbst in kirchlichen Medien. Aber auch wenn in vergangenen Jahrhunderten „vieles schief gelaufen ist“, sei es unredlich, daraus zu schließen, dass Mission nicht mehr „dran“ sei. Missbrauch sage noch nichts über die Qualität einer Sache aus, so Siebald, der auch Professor für Amerikanistik ist. In seinen 38 Jahren an der Universität habe er einen dramatischen Schwund an Wissen über den christlichen Glauben beobachtet: „Man kann nichts mehr voraussetzen.“ Deshalb sei es heute so nötig, verständlich und einladend vom Glauben zu sprechen.

Jesus ist Fundamentalist

Die Stellungnahme von Michael Kotsch ist ebenfalls beachtenswert:

Auch auf dem diesjährigen Kirchentag in Stuttgart haben bibelkritische Theologen wieder einmal ihren Absolutheitsanspruch auf die einzig legitime Bibelinterpretation bekräftigt. Eigenen Aussagen entsprechend betrachten sie sich als „mutig“ und zeitgemäß, weil, sie alle Aussagen der Bibel anhand des gegenwärtigen Zeitgeistes in Frage stellen. „Angst“ und Dummheit werfen sie all denen vor, die die Bibel als genaue und zuverlässige Offenbarung Gottes betrachten („Fundamentalisten“). Dabei braucht es nur wenig „Mut“, die Bibel immer wieder neu der jeweils vorherrschenden Sicht der Dinge anzupassen. Echter Mut hingegen ist nötig, um die Grenzen eigener Erkenntnismöglichkeiten und momentaner Wissenschaft demütig zu benennen und dem gesellschaftlichen Zeitgeist mit dem Weltbild der Bibel einen ideologiekritischen Spiegel vorzuhalten.

Die Bibel als Wort Gottes achten: Man konnte es hören, wenn man wollte

Hartmut Steeb, Generalsekretär der deutschen Evangelischen Allianz, meint in seinem Rückblick:

Es gab klare Aussagen, dass die Bibel als Wort Gottes zu achten ist und sie die Orientierung für die Lehre in der Kirche und das Leben der Christen bietet. Wer hören wollte, konnte es hören. Aber auch das pure Gegenteil. Es fehlt  die Grundübereinstimmung, was die Substanz christlichen Glaubens ist. Wenn es wenigstens einen Versuch gäbe, das gemeinsam herauszuarbeiten? Ich habe ihn nicht entdeckt. Denn wenn das Glaubensbekenntnis nicht die bestimmende Norm ist, was soll es dann sein?

In europäischen Kirchen ist Verachtung für das Wort Gottes eingezogen

Auch Parzany fand überaus deutliche Worte:

Parzany warf den Leitungen evangelischer Landeskirchen vor, „mit der Bibel offensichtlich nichts am Hut zu haben“. Sie erklärten die Gebote Gottes für unwichtig und ungültig, um sich gesellschaftlichen Trends anzupassen. „In europäischen Kirchen ist Verachtung für das Wort Gottes eingezogen“, so Parzanys Analyse von zahlreichen EKD-Dokumenten und Bischofsworten. An die rund 1.200 Besucher appellierte er, die Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus gegen alle Verfälschungen unbeirrt zu bezeugen, Menschen zur Bekehrung zu rufen und sie in lebendigen Gemeinden auf dem Weg der Nachfolge zu stärken. Dazu gehöre vor allem, sie mit der Bibel vertraut zu machen und sie zu ermutigen, gegen den Trend der Mehrheitsgesellschaft zu leben.

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