Essay: Die Braut, Johnny Cash und Ich – Perspektiven eines Party-Crashers

Von klein auf wird uns eingeredet, dass wir uns Wirklichkeit im Kopf konstruieren. Nur wenige weiten das auf faktische Gegebenheiten aus; vielen beliebt jedoch der Gedanke, dass sie zumindest ihre Bewertungen an ihnen selber messen könnten. Aus biblischer Weltsicht lassen sich Fakten und Moral zwar unterscheiden, jedoch nicht trennen. Der gleiche Gott, der Naturgesetze schuf, hat den Menschen auch das Moralgesetz ins Herz geschrieben. Dies zeigt dann am zuverlässigsten, wenn andere dieses Gesetz nicht einhalten.

Lars Reeh zeigt anhnad eines eigenen Erlebnisses, dass wir uns zwar schon Wirklichkeit konstruieren können, dies uns jedoch keinesfalls aus der Realität herauslöst. Und, bitte: Sagt mir jetzt nicht, dass wir eine Unterscheidung zwischen Alltagssituationen und Diskussionen über Werte vornehmen sollen.

Es ist 2009. Spätsommer. Ich bin gerade aus England in die Heimat zurück gekehrt und hungrig danach, meine sozialen Kontakte wieder aufblühen zulassen. Gerade richtig kommt der Geburtstag einer Freundin. Es soll eine Motto Party sein – das Thema: Film. Ich: keinen Bock mich zu verkleiden! Also krame ich in meinem Gedächtnis und erinnere mich an Walk the Line. Das Portrait über Johnny Cash; auch als Man in Black bekannt, weil er oft ganz in schwarz auftrat. Dies war zu seiner Zeit noch unüblich – war halt vor Emo. So fuhr ich los, ganz in schwarz bewaffnet mit einem Geschenk. Als ich bei der Grillhütte ankam, waren fast alle Parkplätze mit dicken Schlitten belegt; ziemlich unüblich für eine Studentenparty. Ich dachte mir aber nichts weiter und erklomm den Berg zur Feier. Oben angekommen, war ich verblüfft, der ganze Platz war bereits voll mit Leuten, die sehr schick gekleidet und in der Mehrheit höheren Alters waren.

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