Reflektionen zum Film „Boychoir“

Ein Teil meiner Familie hatte die Gelegenheit, an der Schweizer Premiere des Films "BOYCHOIR" teilzunehmen – als Live-Sänger bzw. Zuschauer. In der Reflektion des Films wurden uns drei Dinge bewusst.

  1. Die Folgen der Sünde der Eltern im Leben des Kindes: Im Film wird eindrücklich gezeigt, wie das Leben des Hauptdarstellers täglich, ja stündlich durch die Sünde der Eltern mitbeinflusst wurde. Er war ein uneheliches Kind; die Mutter trank. Sünde hat immer soziale Konsequenzen. Am direktesten betrifft sie die eigene Familie.
  2. Die Sehnsucht nach der Aufholjagd: In jedem "Plot" wird implizit ein Ideal abgebildet, in diesem Beispiel ein erfolgreiches Kind. Dieses Ideal erfährt Beeinträchtigungen. Der Junge ist auf sich selbst gestellt und verpasst wichtige charakterliche und inhaltliche Lernpunkte. Wie wird das Manko wettgemacht? Der Junge schafft es innerhalb von Rekordzeit, sich einen Platz in einem privaten Bildungsinstitut zu ergattern und die verlorenen Inhalte wettzumachen. "Das ist so unrealistisch", meinten meine Söhne. Richtig: Das schafft wahrscheinlich einer aus 1000. Es zeigt jedoch, dass wir Menschen eine Sehnsucht haben, Entgangenes wettzumachen. "Wenn du nur willst…" klappt nur bei einem verschwindend kleinen Prozentsatz.
    Das Evangelium lehrt uns im Kontrast zweierlei: Erstens können wir Entgangenes nicht selber wettmachen, was die Beziehung zu Gott betrifft. Die aufgehäufte Schuld muss stellvertretend durch seinen Sohn gesühnt werden. Wir werden von neuem (von oben) geboren. Das neue Leben ermöglicht einen Neustart. Zweitens müssen wir uns bewusst bleiben, dass die Folgen von Sünde lebenslang andauern können (nicht aber müssen). Wiedergeboren zu sein bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Folgen des früheren Lebens beseitigt wären. Nein, Gott lässt sie oft als Mahnmale zurück. So lange wir in diesem Körper sind, spüren wir die Folgen des Zerbruchs.
  3. Die glückliche Vereinigung der Familie: Am Schluss des Films findet der Junge Aufnahme in der Familie des Vaters. Stiefmutter und Halbschwestern integrieren ihn ohne Probleme. Das reale Leben zeigt oft etwas anderes: Stiefkinder haben es nicht einfach Anschluss zu erhalten. Meine Frau meinte: Eigentlich bringt gerade der christliche Glaube ein solches  Vorgehen hervor: Integration ohne Groll, Aufnahme in die Familie ohne Vorbedingungen.

Weitere Anregungen zur weltanschaulichen Analyse von Filmen: "Gott ist auch der Herr des Kinos" und "Vier Fragen, die jede Weltanschauung zu beantworten sucht"