Aus den Medien: Die deutsche Flüchtlingsdebatte

In den vergangenen Tagen wurde ich mehrmals auf die deutsche Flüchtlingsdebatte angesprochen. Meine FB-Freunde haben mich auf mehrere Aufsätze hingewiesen:

Wer nur Mitleid empfindet, hat keinen Verstand

Henrik M. Broder argumentiert wie gewohnt jenseits der Nettigkeiten:

Was wir derzeit importieren, sind nicht nur "ethnische", also kulturelle und religiöse Konflikte, sondern, um mit Marx zu reden, auch eine "industrielle Reservearmee", für die es keine Beschäftigung gibt und keine geben wird, das Lumpenproletariat von morgen und übermorgen.

… Wer angesichts solcher Bilder kein Mitleid empfindet, der hat kein Herz, wer aber nur Mitleid empfindet, von dem er sich mit einer Spende befreit, der hat keinen Verstand.

Das falsche Gerede von der Schuld des Westens

"Die Welt" publizierte folgende Stimme:

Der Ansturm der Flüchtlinge nach Europa lässt den Kontinent in moralischer Schockstarre und politischer Ratlosigkeit verharren. Umso schneller sind hierzulande viele dabei, Schuldige für die albtraumhafte Misere auszumachen. Die häufigste, weil gewohnheitsmäßige und daher reflexhaft abzurufende Erklärung ist dabei, der Westen habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn er von einer "neuen Völkerwanderung" überrollt werde.

… Nicht das Eingreifen des Westens (in Lybien), sondern sein kopfloser Rückzug hat die Region explodieren lassen. In diesem Sinne trägt der Westen also doch Mitschuld daran, dass die Lage in der Region außer Kontrolle geriet.

Zuerst Flüchtling, heute Flüchtlingsbetreuerin

Die FAZ portraitierte dieses Mut machende Beispiel:

Reem Al-Abali stammt aus dem Irak und kam auf der Flucht an der Seite ihrer Eltern nach Deutschland. Sie war sechs Jahre alt, als sie Horst kennenlernte, das Erstaufnahmelager für Asylbewerber von Mecklenburg-Vorpommern. Heute ist sie wieder dort, arbeitet für das Landesamt für Innere Verwaltung und betreut die Flüchtlinge.

Vater Staat und die 800'000 Mündel

Eine lesenswerte Meta-Reflexion:

Einigkeit herrscht hingegen insoweit, als Deutschland ein Einwanderungsland ist. Das ist so sicher wie Norbert Blüms Rente und die Alternativlosigkeit der Energiewende. Allein: Diese These klingt nicht wirklich überzeugend. Denn Einwanderungsländer erkennt man in erster Linie daran, dass sie Zuwanderer nicht kollektiv wie Mündel, sondern wie erwachsene Menschen behandeln und ihnen zugesteht, in Freiheit und mit Eigenverantwortung ein neues Leben zu beginnen.

Deutschland dagegen ist ein Land für Menschen, die ohne Murren einen beträchtlichen Anteil ihres Einkommens und ihrer Würde abgeben, um sich danach vorschreiben zu lassen, wie man den Müll trennt. Ein Land, in dem man zwar gerne die soziale Kälte beklagt, aber gleichzeitig ein Markt für eine App existiert, die es jedem ermöglicht, Falschparker mühelos beim Ordnungsamt zu verpetzen. Ein Ort, an dem der Staat in Begleitung der parlierenden Klasse alles daran setzt, „Gerechtigkeitslücken“ zuzubetonieren und sich ansonsten der Dampfwalze bedient, um vorhandene Ungleichheiten plattzumachen. Denn unter der Gleichheit, die einst neben Freiheit und Brüderlichkeit rangierte, versteht man hier nicht Gleichheit vor dem Gesetz, sondern harmonische Ergebnisgleichheit in allen Lebenslagen.

… Das Einwanderungsland Deutschland hingegen wird voraussichtlich das tun, was es am besten kann: verwalten und bevormunden.

Die Flüchtlingsdebatte und der "Hass"

Bettina Röhl denkt über den Hass-Begriff nach:

Der dynamisierte Hass der Oberschicht auf die Flüchtlingshasser aus der Unterschicht nimmt gefährliche Züge an. Die Gesellschaft ist bedroht, wenn Hass mit Hass beantwortet wird.

Nachtrag: Der vernachlässigte positive Aspekt der Flüchtlingskrise

Danny Fröse, Missionar in Albanien, schreibt:

Manchmal kann ich mich nur noch aufregen darüber, dass die Albaner in Scharen nach Deutschland gehen. Wenn ich an die schwierige Lage in den Kommunen denke, dann frage ich mich, wohin das alles noch führen soll. Wenn ich an die Lüge denke, die hier unter den Albanern verbreitet ist: “Ihr Deutschen habt doch gesagt, wir sollen alle kommen”, dann frage ich mich, wie sich solch ein Gerücht verbreiten konnte. Leider vergesse ich Gott in dem Ganzen. Ich beachte nicht, dass er trotz allem immer noch alles unter Kontrolle hat. Ich bin beunruhigt, ärgerlich und machtlos.

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