Buben in die Selbständigkeit begleiten (33): Die Energie geht ins Nicht-wollen-können

Ich schildere einen Moment im Lernalltag eines Jungen, der sich – wie ich meine – tausendfach abspielt:

Ein Blatt liegt vor dem Lernenden. Er will es sofort gelöst haben, am liebsten in wenigen Minuten. Er liest den Auftrag oberflächlich durch  und möchte das Unangenehme (die Anstrengung, das Ungewohnte) möglichst schnell hinter sich lassen. Als er merkt, dass es doch nicht so leicht geht, wird er unwillig. Der Widerstand, den Lernstoff anzupacken, steigt an. Er steigert sich zum Widerwillen, die Sache sofort anzupacken. Entweder lässt der Junge das Blatt liegen oder zögert die Erledigung so lange wie möglich hinaus.

Unterstützende Eltern werden unwillig, weil sie den Widerwillen bemerken. Klinken sie sich inhaltlich ein, scheint es, als ob es unmöglich wäre, den Stoff zu packen. Für den Junior ist es angenehmer so zu tun, als würde man den Stoff nie schaffen. Die erwachsene Person beginnt zu "schieben". Der Widerstand steigt nochmals an. Die Energie geht ins Nicht-wollen-können.

Würde man jedoch die einzelnen inneren Vorgänge im Lernenden reflektieren, so käme zum Vorschein: Der Unwille, sich der Aufgabe und den Anleitenden unterzuordnen. Dies entstand durch die Frustration der eigenen Erwartungen. Wenn ich als Vater auf das "Spiel" einsteige und selbst in die Spirale von Frust und Ärger gerate, bin ich der Gehilfe beim Verfestigen dieses Vorgehens.

Wie aussteigen? Als Christ werde ich mir zuerst bewusst, dass ich selber Gottes Hilfe benötige. Der Leitsatz "Stärke durch Schwachheit" soll sich zuerst in meinem Leben bewahrheiten. Danach geht es darum, den richtigen Moment zu finden, um das Wahrgenommene unter vier Augen zu besprechen. Ich schildere möglichst genau, was ich wahrnehme (nämlich das, was ich eben festgehalten habe). Dies tue ich schrittweise und stelle Fragen: Wie kommt es dazu? Was denkst du dabei? Es lohnt sich, den Antworten genau zuzuhören und nachzufragen. Am Schluss lasse ich die Erkenntnisse zusammenfassen. Am schönsten ist es natürlich, wenn Vater und Sohn den Engpass gemeinsam vor Gott besprechen können!

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