Christentum und Liberalismus: Zwei verschiedene Religionen

Gresham Machen (1881-1937) stellte in seinem als Entscheidungsschrift konzipierten Werk "Christentum und Liberalismus" dar, dass es sich beim liberalen Christentum um eine grundsätzlich vom christlichen Glauben unterschiedene Religion handelt. Ich habe einige Aussagen dargestellt und eine eigene Einschätzung für den Evangelikalismus im deutschen Sprachraum vorgenommen (stark, mittel, nicht zutreffend). Das Ergebnis: Wir haben uns weitgehend der liberalen Doktrin angepasst, vor allem in der Gotteslehre, der Lehre über den Menschen und – stark zunehmend – auch der über die Bibel.  Gresham: „Religion wird nicht dadurch freudenvoll, dass man nur die angenehmen Facetten Gottes akzeptiert. Denn ein solch einseitiger Gott ist nicht real und nur der reale Gott kann das Sehnen unserer Herzen stillen.“ (157)

„Christianity and Liberalism“ (Gegenüberstellung)

Seite

Liberalismus

Christentum

62

Imperativ: Appell an den Willen des Menschen (mittel)

Indikativ: Verkündigung eines Gnadenaktes Gottes

 

Leben vs. Lehre (stark)

Lehre ist unbedeutend, es kommt auf den Lebensstil an

Lehre vs. falsche Lehre

Leben, das nicht auf blossen Gefühlen, sondern auf Fakten bzw. Lehrsätzen beruht: Christus starb für unsere Sünden.

Lehre über Gott

80, 178

Aufhebung der Transzendenz Gottes; Gott existiert um des Menschen willen (stark)

Ausgewogenes Verhältnis zwischen Transzendenz und Immanenz; der Mensch existiert um Gottes Willen

Lehre über den Menschen

81, 85, 161f

Gerechte zur Busse rufen

Helfen, die Sündenerkenntnis zu vermeiden (mittel)

Ihr seid richtig gut! Ihr kümmert euch um das Wohl der Gesellschaft. (stark)

Der Mensch ist tot durch seine Sünden.

Was er wirklich braucht, ist neues Leben

Lehre über die Bibel

94-97

Autorität ist das individuelle Erlebnis (stark)

Denken und Leben beruhen auf wechselhaften Emotionen sündiger Menschen (stark)

Offenbarung Gottes ist auf den objektiven, fehlerlosen Bericht der Bibel gegründet (Selbstzeugnis der Bibel; Beginn des ‚hermeneutischen Zirkels‘)

 

Lehre über Christus

133, 115

Christus unterscheidet sich durch Rang und nicht durch Wesen vom Rest der Menschen (nein)

Jesus ist Messias und Retter der Welt. Er bietet nicht primär Rat, sondern Erlösung an.

Er ist nicht nur Vorbild, sondern Objekt des Glaubens.

Botschaft der Erlösung

146, 153,
159

Botschaft vom Sühnopfer Jesu ist überholt (mittel)

Wirken von Gottes Geist im schon im Menschen befindlichen Guten (mittel)

Elend (Sünde als objektive Schuld, nicht nur Beziehungsstörung oder Schuldgefühle)

Erlösung (Rechtfertigung durch das stellvertretende Opfer von Jesus)

Dankbarkeit (Heiligung setzt mit Erlösung ein, ist zwangsläufiges Ergebnis)

Notwendigkeit der Evangelisation

172, 176

Konzentration auf innerweltliche Veränderung (mittel)

Gott als Mittel, um die Veränderung der Gesellschaft im Hier und Jetzt zu erreichen (mittel)

Ausgehend von dem jenseitigen Ziel rufen wir Menschen auf: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Lehre der Gemeinde

183, 185, 206-207

Alle Menschen sind Brüder.

Ungläubige in Lehranstalten und in Gemeindeleitungen (mittel)

„Aufruhr der Welt“ wird kopiert (mittel)

Text- und christuszentrierte Predigt

Herrlichkeit des Kreuzes Christi im Vordergrund

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