Zitat der Woche: C. S. Lewis zum Kirchengang

Frage: Muss man als Christ unbedingt in den Gottesdienst gehen oder Mitglied in einer christlichen Gemeinde werden?

Auf diese Frage habe ich keine Antwort. Ich selbst habe es so erlebt: Als ich vor ungefähr vierzehn Jahren Christ wurde, dachte ich zuerst, es genüge, mich allein auf mein Zimmer zurückzuziehen und theologische Bücher zu lesen, und ich ging nicht zur Kirche oder in christliche Versammlungen; und dann, später, merkte ich, dass ich nur so Farbe bekennen konnte; und natürlich merkte ich auch, dass man dadurch zur Zielscheibe wird. Es ist erstaunlich, als was für eine Zumutung es die Familie empfindet, wenn man früh aufsteht, um zur Kirche zu gehen. Wenn man wegen irgend etwas anderem früh aufsteht, ist das nicht so schlimm, aber wenn  man früh aufsteht, weil man zur Kirche gehen will, ist das purer Egoismus, und man bringt den ganzen Haushalt durcheinander. – Wenn eine der Lehren des Neuen Testaments Befehlscharakter hat, dann ist es die Aufforderung, zum Abendmahl zu gehen, und das können wir nicht, ohne in die Kirche zu gehen Besonders schlimm fand ich die Kirchenlieder; für mich waren sie fünftrangige Gedichte mit sechstklassiger Vertonung. Aber mit der Zeit erkannte ich, wozu das alles gut war. Ich kam mit anderen Leuten zusammen, die ganz andere Ansichten und eine ganz andere Erziehung hatten, und nach und nach begann meine Einbildung einfach abzublättern. Ich merkte, dass der alte Mann mit den ausgetretenen Schuhen in der Kirchenbank gegenüber diese Lieder (und sie waren wirklich nur sechstklassige Musik) mit echter Hingabe und geistlichem Gewinn sang – und dann erkennt man mit einem Mal, dass man es nicht wert ist, seine Schuhe zu putzen. Da vergeht einem die Überheblichkeit, die sich in der Abgeschiedenheit eingenistet hat.

C. S. Lewis. Ich erlaube mir zu denken. Brunnen: Basel, 1982. (103-104)

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