Buben in die Selbständigkeit begleiten (34): Mathematik und die Sünde in Lernprozessen

Privater Unterricht ist intensiv. Viele Eltern können es sich – vielleicht zurecht – nicht vorstellen, sieben Tage pro Woche mit ihren Kindern zusammen zu lernen. Genau diesen intensiven Abrieb haben wir uns vor Jahren auf die Fahne geschrieben. Wir sind dankbar für jeden Tag, an dem Gott uns die Kraft dazu gibt. Ab und an stehe ich still und frage mich: Was habe ich in den letzten Jahren wirklich an Erkenntnissen hinzugewonnen? Allgemein gesagt würde ich antworten: Dass wir die Sünde aus unseren Lernerlebnissen ausblenden! Dies zeigte sich insbesondere in einem Fach: Der Mathematik.

Ich behaupte: Der Zusammenhang zwischen Lernschwierigkeiten und Eigenwille bzw. Rebellion treten im Fach Mathematik besonders zutage. Weshalb? Wir (und jetzt meine ich eine gesellschaftliche Tendenz, worin ich mich selbst einschliesse) lassen den Kindern sehr viel Freiraum. Vor Jahren sagte uns eine rumänische Frau: "Ihr lasst den Kindern viel zu viel Raum. Sie können von A nach B gehen – oder auch nach C. Zeit spielt keine Rolle, der Weg spielt keine Rolle. Von den Kindern wird nichts erwartet. Sie müssen keine Arbeit für die Familie oder das Dorf verrichten." Ich kann diese Frau heute nur zu gut verstehen. So wie der Freiraum das Kleinkind überfordern kann, so wird er dem Schüler zur inhaltlichen Falle.

Er gewöhnt sich nämlich an, dass es nach seinem Kopf gehen muss. Sein kleiner Kosmos richtet sich nach seiner Sonne: Er kann essen, was ihm behagt. Er kann seine Kleider liegen und sein Zimmer unaufgeräumt lassen. Der Schulunterricht geht in eintönigem Tempo voran. Man kann aufpassen oder auch nicht. Wen kümmert's? Das selbst gesteuerte Lernen tut das Ihre hinzu. Ein junger Mann meinte vor kurzem zu mir (sehr ehrlich): "Ich konnte immer ausweichen. Ich fälschte die Unterschrift der Lehrerin und hakte Anfang Woche alle zu erledigenden Lernaktvitäten ab. Ich wartete bis zum Ende und erreichte stets das Minimum." Besonders begeistert tönte er im Rückblick nicht. 

Nun komme ich auf den spezifischen Inhalt von Mathematik zu sprechen. Es gibt da einen schriftlichen Auftrag, den man genau lesen muss. Es gibt mathematische Gesetze, die man genau einhalten muss. Es gibt Zwischenschritte, bei denen man sich keinen Abschreibfehler erlauben darf. In der Feinarbeit mit den Jungs wurde mir bewusst: Es ist längst nicht immer so, dass das Kind vom Entwicklungsstand her noch nicht für eine Aufgabe reif ist. Nein, es will sich den Gesetzen nicht unterordnen! Daraus wird eine Lerngewohnheit. Aus dieser Gewohnheit wird ein "professioneller Frust". Daraus wird die Rechtfertigung abgeleitet, sich für künftige Aufgaben zu entlasten. Die Erledigung wird hinausgezögert. Die Eltern müssen nachschieben. Der Zögling kann eine verärgerte oder beleidigte Miene aufsetzen und die Arbeit verweigern.

Es ist meine Aufgabe als Vater, mein Kind auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Das ist Schwerarbeit. Doch sie lohnt sich. Denn es gibt noch ein anderes Gesetz der Schöpfung: Arbeit befriedigt. Fleiss zahlt sich aus. Ausdauer spornt an. Kinder zu erziehen und mit ihnen zu lernen, ist ein grosses Unterfangen mit offenem Ausgang. Für mich gehört es zu den wichtigsten Lernerfahrungen, durch solche "Täler des Lernens" zu gehen! Dank der Instruktion des Heiligen Geistes durch die Bibel werde ich befähigt, diese komplexen Lernzusammenhänge Schritt für Schritt nachzugehen. Ich möchte wetten, dass dadurch die gesamte Motivations- und Lernforschung nochmals in einem anderen Licht erscheint!

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