Standpunkt: Der Zweifel erhebt das Ich zur letzten Instanz

Zweifel und Verunsicherung auch bei Glaubensmännern

Darüber besteht kein Zweifel: Manche Gottesmänner hatten ihre Zweifel und Fragen, die sie manchmal verzweifelt, manchmal glaubensvoll an Gott richteten. Asaph litt unter der Wohlfahrt der Gottlosen (Psalm 73), Jeremia unter den Anfeindungen seiner Familie (siehe besonders Jeremia 12+20). Habakuk konnte die politischen Ereignisse in der Region nicht nachvollziehen und fragte nach (Habakuk 1+2). Johannes der Täufer wurde im Gefängnis unsicher, ob Jesus der verheissene Messias sei (Matthäus 11).

Ich glaube jedoch, dass man diese Art von Zweifel bzw. Verzweiflung von einer verbreiteten (spät)modernen Form des Zweifels unterscheiden muss. Diese Form des Zweifelns finde ich in meiner Generation gehäuft an:

Der Zweifel als Lebensmodus: Man zweifelt an allem, ausser an sich selbst.

Wir dürfen zweifeln. Ich habe jedoch eher den Eindruck, dass man zweifeln MUSS, um dazuzugehören. Zweifeln ist Kult! Deshalb meine ich: Wir reden viel von Zweifeln. Im Zweifel für den Zweifel. Zweifel ist jedoch nicht die letzte Instanz. Es ist bizarr, sich selbst am meisten zuzutrauen.Kann man seinen Zweifeln nicht zu viel Raum zutrauen? Wir sollten mehr über Gott reden!

Aus einer FB-Diskussion führe ich zwei weitere Argumente auf:

Keine Zeit für den Luxus des Zweifelns

Wer Psalm 34 – David flüchtet in seiner Verzweiflung zu seinem Feind – liest, erkennt, welchen Glauben David hatte und diesen angesichts der demütigendsten Situation, die man sich vorstellen kann, aufrecht erhielt. Er hatte damals gar nicht den Luxus des Zweifelns.

Zweifel als Vorwand für mangelnden Gehorsam

Zweifel kann ein Vorwand sein, um nicht gehorchen zu müssen; ein Vorwand dazu noch, der einen klug erscheinen lässt ("klüger als die Dummen, die meinen, sie wüssten, was Wahrheit ist"). Die gleichen Leute "zweifeln" plötzlich gar nicht mehr so viel, wenn es um Verteidigung der eigenen Interessen geht. "Ich zweifle, ob ich eine Gehaltserhöhung brauche oder mein Gehalt verdient habe", hört man erstaunlich selten.

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