Vortrag: Der Marschbefehl des Königs

Greg Gilbert. Der Marschbefehl: Den Auftrag des Königs verstehen. Vortrag an der E21-Konferenz 2015.

Die Fragestellung

Es geht um die Frage: Was ist der Auftrag der Gemeinde? Es gäbe so viele Dinge zu tun! Zwar herrscht Einheit darüber, dass Jesus seine Gemeinde nicht zurückgelassen hat, um Däumchen zu drehen. Es gibt jedoch zwei unterschiedliche Verständnisse über den Auftrag der Gemeinde:

  1. Breites Verständnis: Der Auftrag ist so umfassend wie das Werk Gottes selbst. Er beinhaltet die Partnerschaft mit Gott und seinem wiederherstellenden Werk
  2. Enger gefasstes Verständnis: Es gibt viele Dinge, für welche sich die Gemeinde engagieren könnte. Es geht nicht darum, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern das Evangelium bis ans Ende der Erde zu verkündigen.

Der Missionsauftrag ist am Ende der Evangelien und am Anfang der Apostelgeschichte zusammengefasst: Das Evangelium zu verkündigen und Jünger zu machen bis ans Ende der Erde. Das bedeutet, dass nicht alles, was wir an Gutem tun können und müssen, auch ein Auftrag der Gemeinde ist.

 

Warum ist der Missionsauftrag von Jesus so wichtig?

  • Es macht Sinn, den Auftrag der Gemeinde direkt aus dem Befehl Jesu abzuleiten.
  • Es gibt eine Menge Dinge, die Gott tut und wir nicht tun sollen, z. B. die Bösen auszurotten.
  • Es macht mehr Sinn, die Theologie der Mission vor allem aus dem NT abzuleiten. Israel hatte nie einen Auftrag bekommen, grenzüberschreitende Mission zu betreiben.
  • Es sind die letzten Worte von Jesus vor seiner Himmelfahrt. Das ist ein sehr prominenter Platz.

Der Missionsauftrag in Matthäus 28

Die Aufgabe Jesus ist vollendet, er würde in Kürze nicht mehr mit seinen Jüngern zusammen sein. Andererseits hört die Geschichte überhaupt nicht auf, sie beginnt erst richtig.

Die Hauptidee von Mt 28,16-20: Es gibt einen König, welcher der Welt durch seine Jünger Gnade anbietet. Der König bietet den Rebellen Vergebung an.

 

Fünf Fragen an den Text:

  1. Wo? Galiläa, ein bedeutsamer Ort: Jesus hatte dort einen Grossteil seines Dienstes zugebracht. Seine Jünger sollen dort seinen Dienst weiterführen. Wo das Volk Gottes am meisten gelitten hatte und wo sich kein reiner Jude hin verirrte, dort offenbarte sich der Sohn Gottes zuerst (vgl. Mt 4,12-16). Am dunkelsten Ort zeigt sich Gottes Licht am hellsten. Kein Ort auf dieser Welt ist ausserhalb seiner Reichweite!

  2. Wer? „Einige zweifelten.“ Das Wort bedeutet „gezögert“. Das können nicht nur die elf Jünger gewesen sein. Die Betonung liegt zwar auf dieser Gruppe, es waren jedoch noch viele andere Leute anwesend.

  3. Warum? Jesus ist alle Autorität im Himmel und auf der Erde gegeben. Das ist ein erstaunliches Statement. Wenn ein Mensch – und möge es der mächtigste König oder Präsident sein – so etwas sagte, wäre es grössenwahnsinnig. Das Wort „alle“ dominiert den Abschnitt: Alle Gewalt, alle Völker, alles Befohlene. Jesus sitzt nicht nur auf dem Thron Davids, sondern auf dem Thron des gesamten Kosmos.

  4. Was? Jesu Nachfolger sind seine Botschafter. Der Kern dieser Botschaft lautet: Verkündet, wer Jesus ist! Verkündigt die Vergebung der Sünden! Sagt dies zu allen Völkern. Das ist keine präzise Aussage. Das Wort "Völker" kann eine ethnische Gruppe bezeichnen, aber auch ein politisches System, manchmal sogar die ganze heidnische Welt. Das bedeutet: Geh hin und mache unter allen Menschen Jünger.

    Es gibt drei Modifikationen: Gehen, taufen, lehren. Wir sollen nicht passiv, sondern wach und bereit dazu sein. Es gibt viele Organisationen, die Gutes in der Welt tun wollen. Aber es gibt keine andere Organisation, die der Welt über Jesus berichten würde! Die Taufe ist ein öffentliches Bekenntnis, dass die Treue Jesus gilt. Sie ist eine öffentliche Kriegserklärung an Satan und die Hölle. Wir sollen die Menschen lehren, dass das Bekenntnis eine lebenslange Verpflichtung beinhaltet.

  5. Wie? Der Heilige Geist wirkt in uns die Fähigkeit und den Mut, diesen Auftrag auszuführen.

Anwendung

  1. Wenn du ein Christ bist, dann gilt dir dieser Auftrag. Er geht von Generation zu Generation weiter.

  2. Der Auftrag ist der Gemeinde gegeben, nicht nur den Einzelnen. Gerade Matthäus baut diese Botschaft gezielt in seinem Evangelium ein (Mt 16 Schaffung der Gemeinde; 18 Autorität der Gemeinde; 28 Marschbefehl der Gemeinde).

  3. Es ist ein Auftrag, den niemand aufhalten kann!

  4. Die Struktur von Matthäus fasziniert. Es gibt sechs Abschnitte. Fünf davon bestehen aus jeweils zwei Einheiten: Geschichte und Lehre. Beim sechsten fehlt die Lehre. Das Evangelium hat also einen offenen Schluss. Wir sollen den Auftrag weiterführen.

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