Aus den Medien: Inhaltliche Klarheit schaffen anstatt das Vorgehen zu bedauern

Dieser Beitrag schliesst sich an drei vorangehende "Innerer Riss innerhalb deutscher Evangelikaler tritt zutage", "Der Richtungskampf – es geht um das Wesentliche" und "Stellungnahme zur Situation der Evangelikalen Bewegung und Nachbetrachtung" an.

Ich habe mir überlegt, ob der weitere Verlauf des Konflikts innerhalb der Deutschen Evangelischen Allianz – von idea.de zeitnah weiterverfolgt (man gebe einfach den Suchbegriff "Parzany" ein) – einen weiteren Beitrag wert ist. Es geht mir hier nicht um die Verfolgung eines Spektakels, sondern darum aufzuzeigen, welche Argumente Weichen stellen. Aus meiner Sicht zeigt der Verlauf der Debatte beispielhaft auf, weshalb sich die Bewegung in zwei Lager spaltet.

Ein Kommentator auf theoblog.de fasst die Ereignisse nüchtern zusammen:

Am 14.12. gab Dr. Diener das Interview. Der offene Brief von Pfarrer Parzany ist vom 16.12. Keine Reaktion Dr. Dieners! Am 21.12. protestiert die Konferenz Bekennender Gemeinschaften: Keine Reaktion Dr. Dieners! Am 21.12. schlägt Pfarrer Parzany die Gründung eines „Netzwerkes Bibel und Bekenntnis“ vor. Am 22.12. spricht „Gnadau“ seinem Präses das volle Vertrauen aus. Am 22.12. übt der Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein Kritik am Kurs der Gnadau-Leitung. Am 23.12. nennt die Ev. Allianz: Die Norm ist die Bibel. Die weiteren Schlagzeilen bei idea nach dem Jahreswechsel v. 4.-8.1.16 Evangelikale ringen um ihren Kurs; Eine heftige Kontroverse hat die Evangelikale Bewegung auch über den Jahreswechsel beschäftigt; Selten hat eine Kontroverse die evangelikale Bewegung so aufgewühlt; Entsteht ein weiterer evangelikaler Dachverband? 16.1.16: Parzany: Kaum Übereinstimmung in der evang. Kirche; 18.1.16: Der Versuchung neuer Spaltungen widerstehen (Die Konkretisierung von „Zeit zum Aufstehen“ wurde abgelehnt!) Dr. Diener befindet sich weiterhin im gesammelten Schweigeprozess; 22.1.16: EKD-Magazin „chrismon“ übt scharfe Krirtik an Parzany; 23.1.16: Zurück zum Wort Gottes – Keine Spaltung der Evangelikalen; 24.1.16: Kommunique, 25.1.16: Noch ist eine Spaltung abwendbar; 28.1.16 Stellungnahme zur persönlichen Erklärung von Dr. Michael Diener; 28.1.16: Parzany begrüßt Entschuldigung Dieners, aber Irritationen bleiben; 28.1.16: Michael Diener bedauert „Verwerfungen und Irritationen“.

Ein Artikel in "Die Welt" befasste sich ebenfalls mit dem Streit und endet mit einer kirchenpolitischen Einschätzung.

Hier die Pietisten mit Diener, dort die Evangelikalen ohne ihn. Das wäre das Signal, dass sich in der Gesamtbewegung die unterschiedlichen Lager nicht mehr in einer Person verbinden lassen.

Ein Debattenteilnehmer bemerkte zur Metabotschaft Dieners:

Diener hat ja inhaltlich GAR keine Fehler eingeräumt. Also nur eine TAKTISCHE Entschuldigung. "Zugleich betont er, zu keinem Zeitpunkt eine „subjektivistische oder die Wahrheit der Heiligen Schrift relativierende Bibelauslegung vertreten zu haben." Doch, das hat er sehr wohl. Das kann keiner sagen, der seine Interviews (oder Berichte über Interviews mit ihm) in WELT und PRO gelesen hat. Das ist also leider kein ehrlicher Weg, mit dem Konflikt umzugehen. Das ganze muss bitte ohne Beschönigungen geklärt werden. (Diener entschuldigt sich ja fast eher, dass die Leute sich haben "verunsichern lassen", also sind die Leute schuld, nicht Diener).

Fazit: Die eine Seite wirft der anderen Lieblosigkeit, pharisäerhaftes Verhalten und Sturheit vor und fordert "Ambuigitätstoleranz". Die Gegenseite sieht genau in dieser Forderung nach Pluralität einen Widerspruch zu eindeutigen Aussagen der Bibel. Ich gehöre der zweiten Fraktion an und sehe in der pluralistischen Denkhaltung die Abkehr vom Grundsatz, dass die Ausssagen der Bibel die der Gesellschaft korrigieren und nicht umgekehrt. Die Sache ist nicht damit gelöst, dass man die Widersprüche einfach stehen lässt, aushält und auf "wir haben uns alle lieb" macht. Diesen Kurs der Anbiederung an die westlich-säkulare Leitkultur haben die Volkskirchen vor langer Zeit schon eingeschlagen und dadurch ihre geistliche Kraft eingebüsst.

Wir sollten uns neu auf den Wortlaut des Westminster Katechismus von 1647 besinnen:

In der Schrift sind weder alle Dinge in sich selbst klar, noch gleich verständlich für jeden; doch sind jene Dinge, die heilsnotwendig sind zu wissen, zu glauben und zu halten, so deutlich vorgestellt und eröffnet an der einen oder anderen Stelle der Schrift, dass nicht nur der Geschulte, sondern auch der Ungeschulte beim rechten Gebrauch der ordentlichen Mittel zu einem ausreichenden Verständnis dessen gelangen kann. – Grosser Westminster Katechismus, aus dem Artikel 1

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