Standpunkt: Der Terror und die christliche Weltsicht

Wiederum wurde Europa von einem Terroranschlag erschüttert (hier geht es zu einer Übersicht der Ereignisse).

  1. Nach dem Anschlag in Paris vom Januar 2015 habe ich einen Beitrag "Die Terrorakte und die christliche Weltsicht" mit Hinweisen auf gute Artikel verfasst.
  2. Sollen wir für die IS beten (Russell Moore)? Das Gebet für die Umkehr unserer Feinde und das Gebet für Gerechtigkeit geht zusammen.
  3. Was sollen wir unseren Kindern über die IS erzählen (Erik Raymond)? 10 hilfreiche Hinweise
  4. Was müssen wir über die IS wissen (Joe Carter)? 9 wissenswerte Fakten

Vor wenigen Tagen habe ich zudem eine Rezension zum neuen Buch von Vishal Mangalwadi "Die offene Wunde des Islam" geschrieben. Das Buch eignet sich zum Weitergeben.

Der Islam steckt in einer Zerreissprobe. Mangalwadi spricht von einer „offenen Wunde“. Es ist zu fragen: Worin besteht diese Wunde? Wie ist sie entstanden? Gibt es Heilungschancen? Wenn ja, welche? Der Autor schrieb das Buch um die Jahreswende 2015/16 auf Betreiben des Basler Verlegers fontis. Zwar erscheinen unzählige Bücher über den politischen Islam auf dem Markt. Doch es fehlt uns an einer Gesamtsicht inklusive einer geistlichen Perspektive. Ich war gespannt, ob es diese Lücke decken wird.

Geschichtliche Zusammenhänge

Mangalwadi steigt bei den Ereignissen des „Islamischen Frühlings“ der letzten Jahre und den jüngsten Terroranschlägen in Paris ein. Für seine Diagnose rollt er die Nationalgeschichte der einzelnen Nationen (Ägypten, Libyen, Tunesien, Syrien, Irak, Saudi-Arabien) sowie wichtige weltpolitische Entscheidungen wie das französisch-britische Sykes-Picot-Abkommen von 1916/17 im Nahen Osten. Er zeigt auf, dass das Kalifat, wie es das ISIS-Regime proklamiert hat, in direktem Gegensatz zur Idee des Nationalstaates und der Demokratie steht (110). Ebenso entwickelt er die Gesamtsicht, wie die Samenkörner des radikalen Islam, bereits um die Mitte des 20. Jahrhunderts gesät durch die Muslimbruderschaft, weltweit aufgegangen sind.

Klarheit ohne Polemik

Mangalwadi nimmt kein Blatt vor dem Mund, ohne dabei polemisch zu werden. Er enthüllt erschauernde Details der Dschihadisten ebenso wie die Unfähigkeit des Islams, Männer und Frauen als zwei mit gleichem Wert und Würde ausgestatteten Wesen vor Gott anzuerkennen. Gleicherweise übt er scharfe Kritik am Westen, insbesondere an den USA. Dabei stellt er den Aufbau der Rebellengruppen in Afghanistan gegen den marxistischen Gegner der Sowjetunion in den frühen 80er-Jahren wie auch die Interventionen der Supermacht im Irak als katastrophale Fehlentscheidungen hin.

Die Sicht christlicher Weltanschauung

Mangalwadi gelingt es, diese geschichtlichen und politischen Ursachen mit der geistlichen Sicht auf die Konflikte zu verknüpfen. Er geisselt die Ursache des geistlichen Kollapses im Westen: Dieser habe sich von seiner Mitte, der Wahrheit des Wortes Gottes, abgeschnitten (104). Dadurch wird die Freiheit in Zügellosigkeit verkehrt (192). Den Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam sieht er als sichtbare Äusserung der Auseinandersetzung in der unsichtbaren Welt (97-98).

Der säkulare Humanismus steht ohnmächtig vor den Herausforderungen des weltweiten Terrorismus und der nicht abreissenden Flüchtlingsströme in den Westen. Die Menschen merken, dass es um mehr geht als um eine humanitäre Katastrophe. Dem radikalen politischen Islam ist es gelungen, durch unkluge politische Entscheidungen und Vergeltungsschläge von Nichtmuslimen an gemässigten Muslimen, Millionen zu radikalisieren (88). Die westliche Norm der politischen Korrektheit verbietet es, den Glauben anderer Menschen zu bewerten und zu verurteilen (94). Der Westen hat das Geheimnis freier Nationalstaaten aus den Augen verloren: Die geistliche Erneuerung des christlichen Glaubens (68). Solange diese nicht stattfindet, kann auch die Stimme des Volkes zur Tyrannei werden.

Gibt es Heilung für die offene Wunde des Islam?

Die Antwort auf die Frage, worin die Wunde des Islams besteht lautet: „Der Islam schadet sich selbst, weil er das Reich der Liebe Gottes ablehnt – und das zugunsten des brutalen Reiches eines sündigen Kalifen.“ (198) Deshalb kann es keine Gleichberechtigung aller Menschen vor dem Gesetz, keine dienende Führung eines Volkes und auch keinen Prophetendienst geben, der unter Gefahr des eigenen Lebens auf die Sünde von Einzelnen und Völker aufmerksam macht.

Man merkt, dass das Buch aus der Aktualität heraus entstanden ist. Die einzelnen Kapitel sind flüssig zu lesen. Es fehlt jedoch eine ausgereifte Struktur. Das tut der geistlichen Sprengkraft des Inhalts keinen Abbruch. Mangalwadi rüttelt auch die Christen auf. Er kritisiert ihre geistliche Rückzugsmentalität (76, 87, 206) und ruft zum mutigen Hinstehen, zum Gebet und zur christlichen Erneuerung der universitären Bildung auf. Die Antwort auf Bomben sind keine Bomben (167), sondern das Evangelium. „Wir müssen für unsere Feinde und für Gottes Feinde beten und unseren persönlichen Preis für ihre Errettung zahlen. Das ist die Kultur des Kreuzes.“ (198)

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