Aufsatz: Tolles Programm, fehlendes Zentrum

Jochen Klautke beginnt seinen Aufsatz "Das Zeugnis der Gemeinde durch die Botschaft, die sie verkündet" (Bekennende Kirche Nr. 64) mit diesem Beispiel:

Die amerikanische Soziologin Marsha Witten berichtet von einem Flyer, den sie eines Morgens in ihrem Briefkasten fand. Auf diesem stand sinngemäß Folgendes: „Gehören Sie auch zu denen, die es schon längst aufgegeben haben, Gottesdienste zu besuchen? Die Gründe sind vielfältig: Die Predigten sind langweilig; viele Gemeinden wollen nur Ihr Geld; die Mitglieder sind unfreundlich zu Gästen; und die Qualität des Kindergottesdienstes lässt häufig auch zu wünschen übrig. Finden Sie auch, dass man den Besuch in einer Gemeinde genießen sollte? Dann haben wir eine gute Nachricht für Sie! Die XY-Gemeinde ist eine Kirche, wie für Sie gemacht. Sie wird Ihnen das geben, wonach Sie sich schon immer gesehnt haben. Sie werden neue Freunde treffen; sich von toller Musik begeistern lassen; und Sie werden lebensnahe, ermutigende Botschaften hören, die Ihre Laune garantiert steigert. In den Botschaften wird es um Themen gehen wie: Wie steigere ich mein Selbstvertrauen? Wie werde ich meine Depressionen los? Wie kann mein Leben erfolgreich verlaufen? Wie gehe ich richtig mit meinem Geld um? Wie wird mein Leben stressfreier? Sie können sich auf uns verlassen!“
Ein vielversprechender Flyer. Aber darin ist ein Problem enthalten: Es fehlt das Zentrale. Es enthält kein einziges Wort von Gott und kein einziges Wort von Jesus. Auch liest man kein einziges Wort vom Kreuz.
Einige Dinge, die sich diese Gemeinde vorgenommen hat, sind zweifellos erstrebenswert. Andere sind einfach falsch. Aber der Kern, das Zentrum der Gemeinde, fehlt vollständig. Was ist der Kernauftrag, die Mission der Gemeinde? Worum geht es?

Wenn die Gemeinde irgendetwas an die Stelle der Verkündigung des Evangeliums setzt, dann hat sie entweder aufgehört, Gemeinde zu sein, oder sie ist auf dem besten Weg dahin. Und dieses Irgendetwas, das man an die Stelle der Verkündigung des Evangeliums setzt, kann selbstverständlich etwas Schlechtes sein. Zum Beispiel wie es die Unterhaltung heute oft ist. Oder es kann inhaltslose Rhetorik sein, wie bei den Korinthern. Es kann aber auch etwas Gutes sein: soziales Engagement oder gute Werke. Es kann sich liberal anhören oder sehr konservativ. Aber sobald wir es an die Stelle des Evangeliums setzen, riskieren wir alles.

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