Kolumne: Das (fehlende) Feuer der Waldspielgruppe

Die Auseinandersetzung

Meine Jungs gehen im Trupp voraus, um am Waldrand ein Feuer zu entfachen. Mama würde später mit dem Mittagessen nachkommen. Mit Freude machen sie sich an die Aufgabe. Als der erste Rauch aus dem nassen Holz aufsteigt, kommt die Waldspielgruppe am Rastplatz an. Die Leiter verlangen lautstark, dass ihnen der Platz überlassen wird. Meine Jungs beginnen darauf, in der Nähe eine neue Feuerstelle zu bauen.

Als Mama auftaucht, sieht sie die Buben eifrig an einer zweiten Feuerstelle an einem ungünstigen Platz bauen. Sie wird von den Leitern der Spielgruppe darauf hingewiesen, dass der Förster dieses Bauvorhaben nicht tolerieren würde.

Sie informiert sich bei den Söhnen über den Hergang und gibt den Verantwortlichen zur Antwort: „Vor wenigen Minuten habt ihr meine Buben anscheinend in unfreundlichem Ton von der Feuerstelle vertrieben.“ Auf die klare Rückmeldung greift die Vorgabe der Political Correctness. Mit Kindern darf nicht unfreundlich geredet werden.

Nachdem der Topf Spaghetti für die Spielgruppe endlich fertig gekocht ist, macht sich meine Frau an die Arbeit. Nach wenigen Minuten ist sie von den Kindern der Spielgruppe umringt. Sie stellen ihr ununterbrochen Fragen. Sie wollen unbedingt mit meiner Frau und den Buben ihr Mittagessen einnehmen. Die Leiter, ganz verlegen, versuchen sie mit Spielen zurück zu locken. Vergeblich.

Das Fazit

Dieses unscheinbare Erlebnis aus dem Alltag hat uns zu denken gegeben. Meine Jungs haben die Leiter beobachtet: Sie tranken an einem Wochentag morgens in der Gruppe Bier, unterhielten sich über den Ausgang und waren ständig am Handy. Sie sahen sehr gelangweilt aus und warteten anscheinend nur auf den Feierabend.

Die Kinder waren in der „wunderbaren Umgebung des Waldes“ sprachlich und inhaltlich nicht gefordert. Es herrschte trotz lautstarkem Hin- und Herspringen inhaltliche Leere. Ausser Anweisungen gibt es kaum Kommunikation mit den Leitern. Diese gebärden sich zwar als Spielgefährten. Doch eigentlich werden die Kinder nur vertröstet. Die indirekte Botschaft an die Kinder lautet: Es braucht euch nicht. Es wäre keinem Leiter eingefallen, die Kinder beim Kochen einzubeziehen.

Ich fragte meine Buben: Was lernen sie an einem solchen Tag? Antwort: „Sie merken, dass das Leben eigentlich keinen tieferen Sinn macht und man sich betäuben muss.“ Meine Antwort liegt auf der der Hand. Es fehlt die Mama!

P. S. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat es die Autorin eines Fachbeitrags: Sozialisierungsbotschaften von Kindertagesstätten.

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