Systematische Theologie für die Familienandacht (8): Wie Jesus das Alte Testament las

Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe6 noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Matthäus 5,18

(Diesen Abschnitt habe ich einem exzellenten Vortrag von Kevin DeYoung entommen. DeYoung (* 1976) ist Pastor, Autor, Blogger und Vater von sechs Kindern.)

Wenn wir das Evangelium mit Zuversicht teilen und mit Autorität predigen wollen, dann müssen wir gewiss sein, dass die Botschaft wahr ist, ganz wahr. Wir trauen Politikern nicht, Rechtsanwälten, Lobbyisten, manchmal auch uns selbst nicht – doch der Bibel können wir vertrauen. Jedem Vers ohne Ausnahme. Die beste Probe dafür ist der Umgang von Jesus mit dem Alten Testament.

Johannes 10,31-35

Die Schriftgelehrten waren aufgebracht darüber, dass Jesus sich als Gottes Sohn ausgab. Jesus antwortet darauf, indem er aus dem Gesetz zitiert. Nicht irgendeinen eingängigen Vers, sondern eine schwer verständliche Aussage: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter!" (Psalm 82,6) Für ihn steht ausser Debatte, dass "die Schrift" nicht gebrochen werden kann (V. 35). Das Wort, das dafür gebraucht wird, bedeutet „aufheben, für nichtig erklären, loslösen“. Jesus zitiert den Vers aus den Psalmen mit der Überzeugung, dass ein solcher Schriftbezug ausreicht, um den Disput zu beenden. Er geht davon aus, dass die Schrift eine allgemeine, verständliche Bedeutung hat.

Matthäus 5,17-19

Jesus bringt in seiner sogenannten "Bergpredigt" das Gesetz und die Propheten zusammen. Er meint das geschriebene Wort Gottes, noch genauer den kleinst möglichen Schriftzug, das Jota. Er würde nie ein Strichlein im Text in Frage stellen, verleugnen, loslösen, für ungültig erklären. Wenn wir dann weiterlesen, stellte er sehr wohl anderes in Fragen, nämlich die falschen Auslegungstraditionen der Schriftgelehrten. An anderer Stelle (Matthäus 23,23+24) korrigiert Jesus die Schriftgelehrten, indem er die Prioritäten betont. Die "wichtigen Dinge" sind Gerechtigkeit, Güte und Treue. Doch was ist mit den anderen Dingen? Jesus weiter fährt: Tut das eine, ohne das andere zu lassen! Wirklich, aus die Kräuter verzehnten? Ja, Jesus verlangte Gehorsam gegenüber dem Geist und dem Buchstaben des Gesetzes.

Matthäus 12,38-42

Jesus behandelte viele alttestamentliche Geschichte als Erzählung von Fakten. Er bezieht sich auf Abel, Noah, Sodom und Gomorra, Isaak und Jakob, das Manna in der Wüste, die Schlange in der Wüste, Moses, Salomo und die Königin von Saba, Elisa und die Witwe von Zarepta. Er stellt kein einziges Ereignis oder Wunder in Frage. Wir könnten fragen: Wie können wir wirklich wissen, dass Jona sich im Bauch eines Fisches aufgehalten hat? Jede Kultur hat doch ihre eigenen Geschichten. Bedenken wir den Zusammenhang, in dem Jesus an Jona erinnerte. WEr sprach vom Gericht. Sollte er da wirklich keine realen Leute damit meinen? Sollen erfundene Gestalten die realen Zuhörer verdammen?

Matthäus 19,3-12

In 1. Mose 2,24 wird nicht gesagt, wer diese Aussage machte. Jesus erwähnt in seiner Antwort an die Pharisäer den Autoren: Der Gott, der Mann und Frau geschaffen hatte, stellte diese Grundsatzaussage zur Ehe auf. Wie könnte Jesus dies ohne Wissen gesagt haben, dass ein Zitat vom Anfang der Bibel wirklich die Aussage des Schöpfers selber war? Jesus und auch die Apostel benutzten Gott und die Schrift austauschbar. Gott ist der Autor der Schrift, und die Schrift ist das Wort Gottes. Übrigens: Jesus trat der Versuchung des Teufels dreimal mit der Aussage entgegen: „Es steht geschrieben.“

Was bedeutet das?

Das Wort Gottes besitzt dieselbe Autorität wie der Sohn Gottes. Rebellion gegen die Schrift ist Rebellion gegen Gott. Es gibt keinen Mittelweg, der einige Dinge als sehr wichtig und vertrauenswürdig ansieht und andere nicht. Wenn wir Christus ehren wollen getrennt von der Schrift stellen wir uns über Christus und die Schrift. Der Christus der Schrift beurteilt nicht die Schrift, sondern er gehorcht ihr. Ein anderer Christus ist der Christus unserer eigenen Einbildung. Das ist eine Verletzung des zweiten Gebots.

Christus hielt die Schrift in höchster Achtung. Er kannte die Schrift genau und liebte sie. Er sprach oft mit ihren Worten, spielte pausenlos auf sie an. In Momenten der grössten Schwäche und Anfechtung zitierte er sie. Er erfüllte die Schrift, seine Lehre hielt die Schrift stets hoch. Er war nie im Widerspruch zu einer einzigen ihrer Aussagen. Er hielt gleichzeitig an den menschlichen Autoren wie an der göttlichen Verfasserschaft fest. Das Wort war für ihn klar, ausreichend, wahr und endgültig. Dies sollte sie auch für uns sein.

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