Kolumne: Rückblick auf das Schuljahr – was sich (nicht) bewährt hat

Eine Serie von Rück- und Ausblicken

Seit einigen Jahren reflektiere ich ein abgelaufenes Schuljahr und blicke auf das neue voraus:

Beobachtungen und Überlegungen, wenn die Kinder älter werden

Hier sind einige weitere zusammenfassende Texte:

Was sich bewährt hat

  1. Umstellung auf einen Minimal-Lifestyle, Teilzeitarbeit: Dass mir Gott vor fünf Jahren eine Teilzeitstelle schenkte, ist für mich Anlass zur Dankbarkeit. Just in den Jahren, in denen viele Väter beruflich ausbauen und viel von zu Hause fort sind, habe ich einen Teil meiner Kraft in die Familie investieren können.
  2. Das tägliche Gespräch über Weltsichten: Es gab kaum einen Tag, an denen meine Frau und ich mit den Kindern nicht über Weltsichten diskutierten. Die Anlässe hierfür waren vielfältig. Dazu gehörten eigene Erlebnisse an der Arbeit und auf Reisen, Erfahrungen innerhalb der Familie, Beobachtungen von unterwegs, Informationen aus Büchern und Meldungen aus den Medien.
  3. Lesen und Vorlesen: Jeder unserer Söhne ist unterschiedlich begabt. Doch wenn es ums Lesen und Vorlesen geht, so hat jeder von ihnen einen Zugang gefunden. Wenn meine Frau oder ich aus einem Buch vorlesen, so versammeln sie sich im Nu um uns herum. Ich habe die Jungs auch immer wieder ermutigt, den jüngeren Brüdern vorzulesen. Das geschieht bis heute täglich.
  4. Der Stellenwert von Mathematik: Seit Jahren bin ich der Auffassung, dass die exakten Disziplinen in unseren Ländern vernachlässigt werden. Inder und Asiaten machen es uns vor: 60 bis 90 Minuten täglich sollten der Mathematik gewidmet sein. Dazu gehört das Kopfrechnen – eine Schulung des Geistes und des Gedächtnisses, ca. 20 Rechnungen ins Heft, und spätestens ab der 5. Klasse täglich mindestens eine Textaufgabe.
  5. Ein tägliches Programm und der Aufbau von Lerngewohnheiten: Ab Mittelstufe wissen unsere Söhne, was sie täglich mindestens abzuarbeiten haben. Dazu gehört Mathematik (zu Beginn des Tags), Deutsch, Fremdsprachen und das Klavierspiel. Sie sollen selber lernen, mit Widerständen umzugehen, ihre Arbeit einzuteilen, bei Schwierigkeiten nachzufragen und zunehmend eine eigene Agenda zu führen.

Was sich nicht bewährt hat

  1. Zu hohe Erwartungen der Eltern: Manchmal habe ich zu viel von den Kindern erwartet. Ich musste lernen, dass wir das göttliche Tempo ihrer Entwicklung nicht übersteuern sollen.
  2. Zu viel Verantwortung übernehmen: Wenn wir zu viel Verantwortung für das Kind übernehmen, dann behindern wir seine Entwicklung. Es soll schrittweise lernen, selbst Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.
  3. Zu viele Aktivitäten: Es gab kein einziges Jahr, in dem wir uns nicht gegen ein Überangebot von Aktivitäten hätten wehren müssen. Das ist uns mehr schlecht denn recht gelungen. Freizeitaktivitäten müssen sorgfältig ausgewählt werden.
  4. Die Konflikte der Kinder laufen lassen: Je älter die Kinder werden, desto mehr Verantwortung sollen sie auch für das Austragen und Bereinigen von Konflikten verwenden. Hier braucht es jedoch viel Vermittlungsarbeit der Eltern.
  5. Zu viele unterschiedliche Lehrmittel und Materialien: Über die Jahre haben wir eine Vielzahl von Büchern, Lerhmittel und Materialien gesammelt. Auch hier besteht ein Überangebot. Es ist wichtiger, dass ein Kind an einer Sache dranbleibt, als ständig zu neuen Unterlagen wechselt.
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