Zitat der Woche: Warum werden so viele christliche Bekenner wieder treulos?

Warum werden so viele Menschen mit einem christlichen Bekenntnis so schnell wieder treulos? Hören wir uns selbst prüfend diesen Dialog zwischen Christ und Hoffnungsvoll aus der "Pilgerreise", erstes Buch, 9. Kapitel, an:

„Warum werden er und andere wie er wohl so schnell treulos?“, fragte Hoffnungsvoll. „Vielleicht kann es wegen folgender vier Gründe passieren: Obwohl das Gewissen solcher Menschen geweckt wurde, blieb doch alles unverändert. Wenn deswegen die durch die Erkenntnis ihrer Schuld gewachsene Furcht abnimmt, hört auch ihr Verlangen nach dem Himmel auf, und sie kehren wieder zu der Lebensweise zurück, die sie verlassen hatten. Ein anderer Grund liegt darin, dass sie eine unterwürfige Menschenfurcht entwickelten. ,Aber vor Menschen sich scheuen bringt zu Fall‘, sagt die Schrift. Obwohl sie sich also für den Himmel begeistert hatten, solange die Flammen der Hölle sie umringten, kommen sie doch wieder auf andere Gedanken. Sobald der Schrecken sich ein wenig gelegt hat, denken sie, man müsse doch auch klug sein, kein Aufsehen erregen, um nicht Gefahr zu laufen, alles (eigentlich aber wissen sie selbst nicht, was) zu verlieren oder sich wenigstens nicht unnötige Lasten aufzuladen. Und so fallen sie wieder in die Welt. Außerdem liegt ihnen die Beschämung, die das Christentum begleitet, wie ein Stein im Weg. Sie sind stolz und hochmütig und das Christentum ist in ihren Augen gering und verächtlich. Sobald sie also die Furcht vor der Hölle und dem zukünftigen Zorn verloren haben, kehren sie wieder zu ihren früheren Wegen zurück. Dazu kommt, dass ihnen ernsthafte Betrachtungen ihrer Schuld unerträglich sind. Obwohl der erste Anblick sie dahin treiben sollte, wohin die Gerechten ihre Zuflucht nehmen und wo sie gesichert sind, weichen sie jedem Gedanken an Schuld und Strafe aus. Sie überwinden so den ersten Schrecken vor Gottes Zorn, indem sie ihre Herzen immer verhärten und auch solche Wege wählen, die dahin führen.“ Christian, der aufmerksam zugehört hatte, bestätigte, was Hoffnungsvoll sagte: „Der Grund ist vor allem der Mangel an Bereitschaft, Herzen und Willen zu ändern. Deshalb sind sie wie der uneinsichtige Verbrecher vor dem Richter, der zittert und bebt und herzliche Reue zu zeigen scheint, aber nur weil er Angst vor dem Tod hat und nicht aus Abscheu vor seinem Verbrechen. Wird ein solcher Mensch freigelassen, zeigt sich, dass er nach wie vor ein Dieb ist; das würde aber nicht der Fall sein, wenn sein Herz geändert wäre. Der Rückfall beginnt damit, dass die Menschen ihre Gedanken von Gott, Tod und Gericht abwenden. Dann vergessen sie nach und nach ihre ungesehenen gottesdienstlichen Übungen: das Beten in der Stille, die Bekämpfung ihrer Lüste, das Wachen und die Bekümmernis über ihre Sünde. Dann meiden sie die Gesellschaft lebendiger Christen; danach werden ihnen die öffentlichen gottesdienstlichen Übungen gleichgültig: Hören und Lesen des Wortes Gottes. Dann beginnen sie, an dem einen und dem andern Gläubigen dieses oder jenes auszusetzen, um ihren Abfall von ihrem Bekenntnis zu rechtfertigen. Danach verbinden sie sich mit weltlichen, bedenkenlosen und lüsternen Menschen, suchen leichtfertige Gespräche und sind froh, wenn sie bei einem, der für fromm gilt, auch dergleichen finden können, damit sie es nach seinem Beispiel noch dreister tun dürfen. Später fangen sie an, kleine Sünden ohne Scham öffentlich zu treiben, und zuletzt, wenn sie sich auf diese Weise verhärtet haben, zeigen sie sich in ihrer wahren Gestalt. So sind sie wieder in den Strom des Verderbens zurückgefallen, und wenn es nicht ein Wunder der Gnade verhindert, müssen sie in ihrem Selbstbetrug ewig verloren gehen.“