Kolumne: An die Kinder-ruhig-stellen-Industrie kann ich mich nicht gewöhnen

Bereits vor einer Reihe von Jahren habe ich über das Thema der Eltern-Kind-Bindung nachgedacht. Meine Haltung hat sich über die Jahre nicht verändert. Ich gewöhne mich nicht an Aussagen und von Eltern, die ich täglich aufschnappe, und Situationen, denen ich begegne.

  1. „Er wollte morgens einfach nicht aus dem Haus gehen. Da fragte ich ihn: Willst du im Pyjama mitkommen? Er antwortete: Ja. Da wurde es kritisch.“ Richtig! Das Kind will gar nicht gehen.
  2. Da dreht ein aufgeweckter, lernbegieriger Junge stundenlang seine Kreise auf einem Go-Kart im Hof des Kinderhorts. Was lernt er? Das Leben ist sinnlos, ich kann nichts bewegen.
  3. Eine Mutter steckt die Tochter eine Woche lang in ein Lager und dann zur Großmutter – um wieder arbeiten zu gehen. Das Kind hat Heimweh und möchte einfach daheim sein! Ihr Heimweh tut mir weh.
  4. „Anfangs weinte sie morgens immer, wenn sie in die Krippe musste. Mit der Zeit hat sich das dann gelegt.“ Logo passen sich Kinder an.
  5. Da hängt sich ein kleines Mädchen an jeden Fremden. Kunststück! Es sehnt sich nach elterlicher Geborgenheit.
  6. „Ich ertrage es einfach nicht, so viel um das Kind herum zu sein.“ Niemand sagt, dass das modern-industrielle Setting der Kleinfamilie in der anonymen Stadtwohnung das ideale ist. Wir sind zum Leben in der Gemeinschaft geschaffen.
  7. „Nach vier Monaten ging ich wieder arbeiten.“ Liebe frischgebackene Mami, du weißt ja gar nicht, was du verpasst!
  8. „Das Kind lernt so viel.“ Das ist zweifelsohne der Fall. Die Frage lautet vielmehr: Was denn genau? Was sind die inhaltlichen und emotionalen Meta-Botschaften?
  9. Immer, wenn ich Kleinkinder mit Smartphones und Tablets in der Hand sehe, dreht sich mir der Magen um. Von klein auf wird ihnen die Botschaft eingepflanzt, dass das reale Leben sinnlos ist und man sich betäuben muss.
  10. „Muss ich heute wieder das spielen, was ich will?“ Kinder, die zu früh sich selbst überlassen sind, sind nicht emanzipiert, sondern überfordert.

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