Kolumne: Warum ich als Europäer für die amerikanische Entwicklungshilfe dankbar bin

Manchmal vernehme ich den Vorwurf, dass wir zu stark von US-amerikanischer Literatur, Führern und Rednern abhängig seien. Tatsächlich sind weit über die Hälfte der rund 450 Bücher, die ich bisher rezensiert habe, in englischer Sprache abgefasst. Vorab sei die Amerikafeindlichkeit mancher Europäer erwähnt, die sich nach der Trump-Wahl in verstärktem Maße auch durch Medien und soziale Medien ergossen hat. Es gehört zum guten Ton, die Amerikaner schlechtzureden. In dieser Hinsicht mag ich nicht mitziehen, auch wenn ich dadurch aus dem Rahmen der Political Correctness herausfalle.

Hier sind 10 Gründe, warum ich über das Engagement unserer US-amerikanischen Geschwister dankbar bin:

  • Sie bilden eine größere christliche Population, damit über mehr Stimmen, Gaben und finanzielle Mittel.
  • Sie haben in den letzten Jahrzehnten ein missionarisches Interesse für „Good Old Europe“ entwickelt und in Form von Ausbildungsstätten, Literatur, Netzwerken und Gemeindegründungen in uns Europäer investiert.
  • Die Plattform TGC stellt Tausende von Ressourcen zur Verfügung, darunter zahllose Artikel zum gesamten Spektrum des christlichen Lebens.
  • Das Denken über „Sicht auf Welt und Leben“ – also das Bewusstsein über die inneren Vorannahmen, die unser Denken und Handeln steuern – verdanke ich im Wesentlichen US-amerikanischen Brüdern.
  • Dazu gehören unzählige, textauslegende Predigten, die uns den Stellenwert von Gottes Wort vor Augen führen.
  • So seltsam es sich anhört: In der englischen Sprache finde ich manche Klassiker aus der Theologiegeschichte verarbeitet, die eigentlich in unserem Sprachraum entstanden, aber in Vergessenheit geraten sind.
  • Sie engagieren sich für die private, christliche Bildung und sind Pioniere in der Ausbildung innerhalb der Familie.
  • Meine theologischen Abschlüsse habe ich beide dank US-amerikanischer Institute neben meiner beruflichen Tätigkeit und unter Verwendung der großen christlichen Literatur der Kirchengeschichte absolvieren können.
  • Ich verdanke namentlich Francis Schaeffer, US-Missionar in Europa, wesentliche Impulse für mein geistliches Leben in Familie, Beruf und Gemeinde. Durch ihn wurden David F. Wells, Nancy Pearcey und Os Guinness geprägt, denen ich ebenfalls viel verdanke. John Piper wies mich auf die Puritaner hin, Tim Keller auf die niederländisch-reformierte Theologie von Abraham Kuyper und Herman Bavinck, D. A. Carson auf den Stellenwert der biblischen Theologie und Prinzipien der Exegese. Dank John Frame wurde ich in die Denkweise der Systematischen Theologie und der Philosophie eingeführt. Peter Kreeft stand mir Pate für das Verständnis von Thomas von Aquin und Blaise Pascal, aber auch für das Verständnis von Kierkegaard, Descartes oder Marx.
  • Viele dieser Quellen habe ich in meinen Aufsätzen verarbeitet, womit ich zum Ausdruck bringen will: Wir brauchen aktives theologisches Schaffen in unseren Reihen. Ich bin sehr ermutigt über junge Theologen, die sich vom oberflächlichen, an Gemeindewachstum und Postmodernismus orientiertem Psychologie-Geschwafel und Gemeindebau abgewandt und sich in gesündere Quellen vertiefen.

In diesem Sinne: Ein herzliches Dankschön an meinen himmlischen Vater und meine amerikanischen Freunde!

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