Kolumne: Zum Übergang vom Privatunterricht zur öffentlichen Schule

Einer meiner Söhne besucht die Oberstufe in einer öffentlichen Schule. Viele wollen erfahren, wie sich der Übergang gestaltet: 

  • Er liebt die Lehrer, die ihren Stoff lieben und ihn mit Begeisterung teilen.
  • Er ist sehr dankbar, neben der Schule intensiv die Musik pflegen zu können.
  • Er war befremdet, dass die Heranwachsenden nur unter Druck und für Noten lernen und findet das abartig.
  • Er reichert sich seinen Lernstoff mit wöchentlich ein, zwei Büchern aus meiner Bibliothek an.
  • Das Tempo ist für seinen Geschmack zu gemächlich.
  • Die anderen sind sich gewöhnt gefüttert zu werden und über das Futter zu meckern.
  • Seine sozialen Kontakte haben sich spürbar verringert.
  • Die mediale Kompetenz übertönt die soziale bei weitem. Wann immer es geht, ist Mann am Zocken.
  • Er zieht die persönliche, selbstbestimmte Lernumgebung der Schule ohne Zögern vor.

Die grösste Herausforderung besteht darin, in einer solchen Umgebung motiviert zu bleiben und unkonventionelle Ideen zu entwickeln, um den Tagesablauf interessant zu gestalten – unter dem Motto "akzeptiere die Konstanten und suche die Variablen".

Ich bin erstaunt, wie selbstverständlich viele Erwachsene die Schule als Institution voraussetzen bzw. das Lernen exklusiv mit ihr verknüpfen; mit welcher Leidenschaft sie das Argument unterstützen, dass Lernen nur unter Druck geschehen kann und per Definition öde sein muss. Am meisten befremdet sie mein Argument, dass die Peer (= Gruppe der Gleichaltrigen im Klassenverband) für eine gesunde Gemeinschaftsgewöhnung nicht nur entbehrlich, sondern in vielen Fällen sogar hinderlich ist.

Ich gebe gerne zu, dass Kinder aus Kleinfamilien viele soziale Handlungen (teilen, verzichten, verhandeln, einstecken, sich abgrenzen, überzeugen etc.) in ihrer häuslichen Umgebung nur ungenügend lernen. Ich betrachte die Trennung zwischen Generationen und innerhalb der Familie als unnatürlich. Kinder lernen am schnellsten von Erwachsenen, die sich in einem Fachgebiet auskennen und ihre Freude teilen.

Von daher befürworte ich alle Modelle, die einen Lernzielkatalog mit einem breiten Angebot verbinden. Die Kinder erarbeiten sich lebenskundliche Themen in der entsprechenden Umgebung (z. B. Bauernhof, Krankenhaus, Polizeistation). Sie sollten angeleiteten Zugang zu Universitäten, Gemeinschaftszentren und Bibliotheken erhalten. Und natürlich sollten sie sich jederzeit alle Inhalte zu Hause erarbeiten und den entsprechenden Kompetenznachweis erbringen können (in verschiedenen Formen wie Präsentation, Publikation, Konzept, Produkt/Dienstleitung oder in gewissen Bereichen einem schriftlichen Test). Pensionäre und erfahrene Berufsleute sollen einen Teil ihrer Zeit und Energie dafür einsetzen, ihre Komptenzen an die nächste Generation weiterzugeben. Statt Schulhausbau sollten Mittel deshalb für Hauslehrer und Einsätze in Unternehmen eingesetzt werden.

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