Kolumne: Was heisst „wir werden nicht über unser Vermögen geprüft“?

Paulus schrieb den Korinthern, dass sie nicht über ihr Vermögen geprüft würden (1Kor 10,13). Ich kenne verschiedene Menschen, die sich an diesen Satz klammern und hoffen – ich sage es ohne Verklausulierung – dass ihre Wünsche eintreffen. Nun darf diese Aussage weder aus dem unmittelbaren Zusammenhang des Kapitels noch aus dem gesamten Neuen Testament herausgelöst werden. Paulus bezog sich auf die Wüstenreise des Volkes Israel. Wer sich diese näher ansieht, wird feststellen, dass es Versuchungen am laufenden Band gab. Gott wollte sehen, was "in ihren Herzen ist" (5. Mose 8,2). Zudem wollte er sie erziehen – "er demütigte dich und ließ dich hungern" (V. 3). Ebenso sagte er ihnen seine Versorgung zu. "Deine Kleider sind nicht zerlumpt an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese 40 Jahre." (V. 4) Dies alles war Erziehungshandeln Gottes. "So erkenne nun in deinem Herzen, daß der Herr, dein Gott, dich erzieht, wie ein Mann seinen Sohn erzieht." (V. 5)

Worin besteht nun diese Versorgung Gottes? Der christliche Glaube passt in die gesamte Wirklichkeit, darum müssen wir vor keinem Vorkommnis unsere Augen verschliessen. Das heisst nicht, dass wir alles verstehen würden. Dies hat uns Gott auch nicht zugesagt. Werden Christen todkrank und sterben? Ja. Werden Christen ihre Liebsten aus dem plötzlichen Leben entrissen? Ja. Werden Christen missbraucht? Ja. Werden sie gefoltert? Ja. Müssen sie hungern? Auch das. Müssen sie frieren? Gehört auch dazu. Blicken wir nur mal auf das Leben von Paulus: "Bis zu dieser Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße, werden geschlagen und haben keine Bleibe … zum Kehricht der Welt sind wir geworden, zum Abschaum aller bis jetzt." (1Kor 4,10-14) Er stand "in viel standhaftem Ausharren, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Unruhen, in Mühen, im Wachen, im Fasten." (2Kor 6,5-6) Er befand sich "in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren vom eigenen Volk, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Arbeit und Mühe, oftmals in Nachtwachen, in Hunger und Durst; oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße…" (2Kor 11,23-28)

Gerade den reichen Korinthern zeigte Paulus also die Kehrseite seines Dienstes auf. Vielleicht wendest du ein: "Das war Paulus." Ja, aber was verhiess er den Gemeinden, denen er schrieb? Den Philippern: "Euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden." (Phil 1,29) Den Thessalonichern schickte er seinen Diener Timotheus, "damit er euch stärke und euch tröste in eurem Glauben, damit niemand wankend werde in diesen Bedrängnissen; denn ihr wißt selbst, daß wir dazu bestimmt sind." (1Thess 3,2-3) Timotheus selbst, der in der Gemeinde von Ephesus aufräumen musste, schrieb er: "alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden." (2Tim 3,12)

Wo ist denn die "Bottom Line" der Zusagen Gottes? Dies verdeutlicht Paulus in Römer 8: "Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!«" (V. 35-36) Hier steht es schwarz auf weiss: Wir werden weder von Angst noch von Hunger verschont, ja im Gegenteil: Einige werden getötet. Genau dies hatte Jesus vorhergesagt: "Ihr werdet aber auch von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden ausgeliefert werden, und man wird etliche von euch töten, und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Doch kein Haar von eurem Haupt wird verlorengehen." (Lk 21,16-18) Beides gilt: Es wird bis zum Tod gehen, und der Tod wird ihnen nichts anhaben können. Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt: "Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (V. 38-39) Wir werden zwar von unseren Liebsten getrennt, Hunger leiden, Verfolgung erfahren. Doch es wird nie so weit kommen, dass wir von der Liebe Gottes getrennt werden. Jesus hatte angekündigt: So wie sie mich verfolgten, werden sie auch euch verfolgen (Joh 15,20).

Darum sollen wir nicht erstaunt sein, wenn das Feuer der Verfolgung heiss wird (1Petr 4,12-14). Es wird sich darin zeigen, ob uns die unvergängliche Herrlichkeit von Christus wichtiger ist als die vergänglichen Schätze. Gott sagt uns zu, dass wir uns jubelnd freuen werden (1Petr 1, besonders V. 6+8). Es ist nicht von ungefähr, dass eine Frau aus Saudiarabien, die Christ geworden war, die Thessalonicherbriefe auswendig lernte. Oder dass die verfolgte Kirche das Buch der Offenbarung selbstverständlich auf die eigene Situation anwendet. Was aber ist mit uns im Westen? Wir sollten uns schleunigst vom Wunsch verabschieden, unversehrt durchs Leben zu kommen. Die Illusion des Wohlstands hat unseren Glauben stark angegriffen und morsch werden lassen. Wir dürfen darum bitten, dass Er mehr und mehr zu unserem wahren Schatz wird – durch alle Täler und Schläge hindurch. John Piper fügt dem hinzu: Es ist besser zu sterben als sein Leben in der Illusion der Risikominimierung zu vergeuden!

Ich empfehle zur weiteren Lektüre den Text "Risk Is Right – Better to Lose Your Life Than to Waste it".