Zitat der Woche: Abtreibung als Bestandteil der kommunistischen Transformation der Gesellschaft

Whittacker Chambers (1901-1961), ehemaliger Untergrundkommunist und sowjetischer Spion, beschreibt den grundlegenden Wandel nach der Entscheidung von 1933, seine Tochter nicht abtreiben zu lassen. Der ehemalige slowakische Innenminister Vladimir Palko bezieht sich in seiner Erzählung auf dessen Autobiografie "Witness". Berührend!

Chambers beschreibt die Atmosphäre in den amerikanischen kommunistischen Untergrundkreisen: Sie war pro Abtreibung. Ein Kind galt als etwas, das die revolutionäre Arbeit aufhielt und bremste. Ein Teil der Kommunisten vertrat die Meinung, ein Kommunist dürfe überhaupt keine Kinder haben, dies sei der Preis für seine Botschaft. Whittaker Chambers hatte diese Ansichten im Prinzip geteilt. »Als Kommunist in der Illegalität habe ich es für eine beschlossene Sache gehalten, dass Kinder nicht in Frage kommen«, schreibt er und fährt fort: »Die Abtreibung war ein gängiger Bestandteil des Parteilebens. Es gab kommunistische Ärzte, die diese Dienstleistung für eine kleine Entlohnung erbrachten. Wählerische Kommunisten kannten liberale Ärzte, die für diese Dienstleistung eine höhere Entlohnung berechneten.« Christliche Ärzte boten diesen »Dienst« natürlich nicht an, für keine Entlohnung welcher Art auch immer. Die Christen waren loyale Bürger des Staates, die das Gesetz respektierten. Und das Gesetz, das göttliche wie auch das amerikanische, befand unmissverständlich, dass eine Abtreibung illegal sei. Die amerikanischen Kommunisten gehorchten jedoch weder Gott noch ihrer Regierung, sie gehorchten nur Moskau. Und dort sagte das Gesetz etwas anderes.

Es bleibt eine historische Tatsache, dass der erste Staat der Welt, der Abtreibungen legalisierte, Lenins bolschewistisches Russland gewesen war. Auf Lenins Anweisung wurde dies am 18. November 1920 in einem gemeinsamen Dekret des Gesundheits- und Justizministeriums Gesetz. Die Abtreibung ist die logische Auswirkung der marxistischen, materialistischen Sicht der Welt. »Die Abtreibung, die mich heute mit physischen Entsetzen erfüllt, habe ich damals – wie alle anderen Kommunisten auch – für eine gewöhnliche, physiologische Manipulation gehalten«, schreibt Whittaker Chambers. Die Logik der Abtreibung steht in Übereinstimmung mit der materialistischen Grundlage des Klassenkampfes. Der Embryo ist nur Materie, aber selbst ein geborenes Mitglied der reaktionären Klasse war in der kommunistischen Praxis des Klassenkampfes keine Person mit respektierten Rechten.

Chambers Satz über kommunistische und liberale Abtreibungsärzte illustriert, dass die Abtreibung eine bedeutende Verbindungslinie zwischen sowjetischem und kulturellem Marxismus ist – eine Verbindungslinie zwischen den Brüdern und den Cousins. Mit der Verbreitung des Kommunismus in die Länder Osteuropas kam es auch dort zur Legalisierung der Abtreibung. Fast überall wurde sie im ersten Jahrzehnt der kommunistischen Herrschaft durchgesetzt: 1953 in Ungarn, 1956 in Polen und Bulgarien, 1957 in der Tschechoslowakei und Rumänien, 1972 in der Deutschen Demokratischen Republik. Der sowjetische Kommunismus ging Hand in Hand mit der Abtreibung einher. Die Abtreibung war Bestandteil der kommunistischen geistigen Transformation der Gesellschaft.

… »Bei meiner Trennung vom Kommunismus habe ich einen langen Weg zurückgelegt und dies war der entscheidende Wendepunkt – nicht in meinem Bewusstsein, sondern auf der Ebene meines unbewussten Lebens.«

Whittacker Chambers, zitiert in Valdimier Palko. Die Löwen kommen. fe: Kisslegg, 2012. Pos. 653ff.