Buchbesprechung: Die Löwen kommen

Vladimir Palko. Die Löwen kommen: Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern. fe-medienvlg: Kisslegg, 2012. 504 Seiten. 10 Euro (Kindle-Format).

Es kann Ihnen … passieren, dass Sie die Nacht in einer Polizeizelle verbringen, weil Sie Worte aus der Bibel verkündet haben. Sie können dafür vor Gericht gezerrt werden. Man kann Ihnen dafür eine hohe Geldstrafe auferlegen, die Sie ruiniert. Man kann Ihnen die Aufgaben an Ihrem Arbeitsplatz auf unvorstellbare Weise ändern, sodass sie gegen den christlichen Glauben verstoßen, und wenn Sie ablehnen, etwas Unmoralisches zu tun, verlieren Sie Ihre Stelle. … Wenn Sie die sexuelle Korruption der Jugend ablehnen, dann verweigert man Ihnen die Adoption von Kindern. Wenn Sie die Unmoral unter Ihrem eigenen Dach nicht dulden, werden Sie verurteilt und ihr Geschäft oder Ihre Existenz beeinträchtigt oder völlig vernichtet. Sie können dafür verfolgt werden, dass Sie ein Symbol Ihres Glaubens tragen, was Tausende von Jahren hindurch nichts Ungewöhnliches gewesen war. Und umgekehrt können Sie im Staatsdienst eine Disziplinarstrafe bekommen, wenn Sie es ablehnen, ein Symbol der neuen säkularen Orthodoxie zu tragen. … Sie können Ihren Arbeitsplatz verlieren, weil Sie in Anwesenheit von jemandem gebetet haben. Man kann Ihnen verbieten, an irgendeiner Schule im Staat zu unterrichten, weil Sie aufrichtig mit der Jugend diskutieren wollten, was Abtreibung ist. Es genügt, wenn Sie sagen, die Ehe soll Mann und Frau vorbehalten sein. (Pos. 5098ff)

Schwarzmalerisch? Vladimir Paltko, Katholik und slowakischer Innenminister (2002-2006), weist in diesem Buch detailliert nach, weshalb er die Löwen – Sinnbild der Christenverfolgung zur Zeit der Römer – kommen sieht.

Die Revolution in den Köpfen

„Die Idee des Kommunismus lebte länger in den Köpfen als in der Realität, sie lebte länger im Westen als im Osten Europas.“ (1060) Diesmal geht es um eine anthropologische Wende: „Wer ist der Mensch? Was sind seine moralischen Prinzipien, nach denen er sein Leben in der Familie und in der Gesellschaft ausrichten soll? Wie wird sein Abgang aus dieser Welt sein?” (1419) “Da geht es um Fragen wie: Was ist der Mensch? Warum soll sein Leben an dessen Beginn und auch an dessen Ende unantastbar sein? Was ist eine menschliche Familie?” (2982)

Wie es der italienische Kommunist Antonio Gramsci (1891-1937) angekündigt hatte, trat der Kommunismus diesen ethisch-kulturellen Siegesmarsch durch die Institutionen an. „Hollywood ist vielleicht das wichtigste Terrain, das bei Gramscis Marsch durch die Institutionen erobert worden ist.“ (911) „Zuerst müssen die Revolutionäre die wichtigen Positionen in den kulturell entscheidenden Einrichtungen einnehmen. Die Massen befinden sich noch unter dem Einfluss der alten Kultur, die vom Christentum bestimmt ist, vor allem von der katholischen Kirche.“ (754) „Die Auflösung der tragenden Ordnungen des Rechts und der moralischen Grundhaltungen, die ihnen Kraft gaben, ließ die Dämme zerbrechen, die bisher das friedliche Miteinander der Menschen geschützt hatten.“ (5402) Die hässliche Fratze zeigt sich immer deutlicher an den Schwächsten, den Ungeborenen und zunehmend auch den älteren Menschen.

Paltko zieht immer wieder die Parallelen zur Zeit des Kommunismus. „Wenn sich der Genosse vom Glauben distanzierte oder ihn bei seiner Antwort verleugnete, war alles in Ordnung. Bekannte er sich aber zum Glauben an Jesus Christus, so gefiel dies den Genossen aber ganz und gar nicht.“ (137) Damals wie heute gibt es viele „Privatiers“, die „vom Regime nur in Ruhe gelassen werden, sie erfüllten ihre Pflichten in der Arbeit und lebten ihr privates Leben“ (182). „Die Kommunisten haben uns in aller Ruhe erzählt, in der Tschechoslowakei herrsche totale religiöse Freiheit. Aber der Christ, der sein Christentum nicht verheimlichte, konnte nicht Lehrer werden.“ (4212) Den Menschen, die den sowjetischen Kommunismus erlebt haben, ist das Verbot von Kreuzen hinlänglich vertraut. „Erinnern Sie sich noch an die Parole 'Wer am Rande steht, liebt die Republik nicht«? Genosse, du hast nicht am 1. Mai-Umzug teilgenommen … Genosse, schämst du dich nicht? Genosse, was für ein Verhältnis hast du zum sozialistischen System?'“ (4526)

Die Dokumentation

Eine Dokumentation mit einer Tour durch europäische Länder (GB, D, F, Sp, NL, Portugal) enthüllt die blamable Rolle der führenden Christdemokraten, die „dem Sog der linken Ideologie in fast allen Ländern des Westens erlagen, ja zum Teil sogar aktiv an der Etablierung der mittlerweile vorherrschenden Kultur des Todes mitwirkten“ (Pos. 33). Den Wendepunkt ortet Paltko beim ersten katholischen Präsidenten der USA, John F. Kennedy, der in einer Wahlkampfrede betont hatte: „Ich glaube an ein Amerika, in dem die Trennung von Kirche und Staat absolut ist … Ich glaube an einen Präsidenten, dessen religiöse Ansichten seine private Angelegenheit sind. Diese Ansichten zwingt er dem Volk nicht auf, und das Volk zwingt sie ihm nicht als Vorbedingung für das hohe Amt auf.“ (1512) Er benutzte wahrscheinlich zum ersten Mal den seither von unzähligen Politikern verwendete Formel, seine Ansichten ‚niemandem aufzuzwingen‘. „(D)iese Rede verkünde im Endeffekt die Botschaft, dass gläubige Christen nichts in der Politik zu suchen hätten“ (1578). Die Moralkeule des Säkularismus lautet in Kurzform: „Ich fühle mich moralisch und ethisch meinen Mitbürgern nicht so überlegen, dass ich ihnen meine Meinung aufzwingen sollte.“

Paltko identifiziert fünf Phasen der Anpassung. Die erste Phase ist gekennzeichnet durch Passivität. „In der zweiten Phase lassen sich die Christdemokraten in der Regierung durch die eigenen Koalitionspartner demütigen.“ (2964) „In der dritten Phase lassen sich die Christdemokraten zur aktiven Zusammenarbeit bei der Durchsetzung der großen Übel zwingen.“ „Bereits in der vierten Phase nehmen die Christdemokraten antichristliche Gedanken sogar aktiv in ihr Programm auf.“ „In der fünften Phase feiern sie ihren Schritt als Überwindung der eigenen Engstirnigkeit.“

Der Autor scheut nicht davor zurück, am laufenden Band Beispiele aus der Sexualethik einzublenden, insbesondere zur Abtreibung und zur Sanktionierung gleichgeschlechtlicher Patenschaften. Nüchtern meint er: „Die Sterbehilfe ist der letzte Dämon der Revolution, der erst vor Kurzem aus dem Drachenei geschlüpft ist.“ (3342) Den Weg bahnen letztlich nicht die Parlamente, sondern die Gerichte. „Das Recht ist keine Mathematik. Deshalb kann es sein, dass ein Gericht ein Urteil spricht und das Volk sagt respektvoll: Das Gericht hat so entschieden, also muss es wahr sein.“ (3707) Niemand kennt die Richter des Landes. Darum: „Unsere Strategie sollte es sein, Richterentscheidungen durch Verfassungsgesetze rückgängig zu machen.“ (3762)

Das Fazit

Paltko warnt: Eine künftige Abkehr vom Christentum, die vor allem von der Ablehnung der biblischen Sexualmoral begleitet wird, führt zur Christenverfolgung. „Die Lehre, alle Wahrheiten seien relativ, kann es nicht zulassen, dass einige Wahrheiten nicht unter diesen Relativismus fallen.“ (5076) „Die alten Ordnungen repräsentiert das Christentum, und es ist gerade das Christentum, das die Revolution für ihren Feind hält. Selbstverständlich wird sie gegen das Christentum nicht blutig vorgehen. Haben Sie keine Angst, es wird nur mit einer sanften Verfolgung beginnen. Aber es wird eine Verfolgung sein. Die Löwen kommen.” (3981) “Nach der ersten Dekade einer schleichenden Verfolgung von Christen in Europa hat man inzwischen erkannt, dass es effektiver ist, jemanden um seine Arbeit zu bringen, als das Strafrecht einzusetzen, denn die Sanktionen beschränkten sich bisher lediglich auf kurzfristige Aufenthalte in Polizeizellen und gelegentliche Geldstrafen. Aber Europa gewöhnt sich an beides.” (4479)

Die Herausforderung

„Seit Jahrzehnten vom wachsenden Wohlstand verwöhnt sowie von gleichgeschalteten Medien eingelullt und ruhig gestellt, sind wir Christen im Westen besonders in Gefahr, die auf uns zukommende Herausforderung zu übersehen oder zu verdrängen.“ (46) „Nur, die Menschen lesen keine dicken Bücher. Die Menschen gehen ins Kino und schauen fern. Und dort sehen sie eben ein ganz anderes Bild.” (554)

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