Kolumne: Wie soll ich den Junggesellenabend gestalten?

Lieber M.

Du fragst mich, wie du als Brautführer in einer "Hangover"-Generation einen Junggesellenabend zur Ehre Gottes durchführen kannst. Erst einmal: Grosses Kompliment, dass du dir darüber Gedanken machst und nicht einfach die sozialen Vorgaben deiner Umgebung kopierst! Als negatives Beispiel kommt mir Simson in den Sinn, der sich eigenwillig eine Braut eroberte und ebenso männlich, aber unklug die Feier gestaltete (Richter 14).

Im Hinterkopf habe ich ein Modell, das vom kanadischen Theologen Albert Wolters stammt. Er meint zu Recht, dass wir unbedingt zwischen Struktur und Richtung unterscheiden müssten. Will heissen: Von der Struktur/Substanz her sind die Dinge deshalb gut, weil sie von Gott so gedacht und geschaffen sind. Auf deinen Anlass bezogen: Gott selbst hat die Ehe geschaffen. Auch Feste zu feiern ist seine Erfindung. Doch weil wir in Sünde gefallen sind, verkehren wir diese Dinge, die an sich gut sind, in eine Richtung, die Gott missfällt. Wir sind von Natur aus Rebellen und Spezialisten darin, Gottes gute Gaben zu missbrauchen. Wolters fügt hinzu, dass gewisse gesellschaftliche Aktivitäten so verdreht sind, dass wir als Christen nicht nur aufpassen müssen, dass wir sie nicht gedankenlos imitieren. Wir müssen uns ihrer unter Umständen ganz enthalten, um kein falsches Zeichen zu setzen, oder sie neu durchdenken.

Wie kann ein solcher Abend zu Gottes Ehre gestaltet werden?  Dafür sind drei Dinge auseinander zu halten. Erstens gibt es eindeutige Gebote Gottes. Für einen solchen Abend bedeutet es, sich nicht zu betrinken oder in sexueller Hinsicht über die Stränge zu schlagen. Dazu gehören auch zweideutige Gespräche und Witze (siehe Epheser 4,18-19; 5,3-4). Zweitens gibt es die Seite der Weisheit: Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen solchen Abend zu verbringen. Bitte Gott um gute Ideen, frage weise Freunde um Rat. Drittens gibt es die existenzielle Seite: Was entspricht der Biografie und dem Charakter des Bräutigams?

Jetzt zu einigen konkreten Vorschlägen bzw. Elementen eines solchen Festes:

  • Gott hat uns Körper und Manneskraft gegeben. Den Körper zu spüren, etwas zu leisten und nachher zu entspannen, liegt in unserer Gott-gegebenen Natur. Ich würde deshalb eine körperliche Anstrengung mit berücksichtigen. Warum nicht ein ordentliches Stück zu Fuss gehen, eine Strecke auf einem Gewässer zurücklegen, eine Wand erklimmen oder durch einen Schleichweg im Wald gehen?
  • Gott hat uns in seine Schöpfung gestellt. Das ursprüngliche Bild ist das eines Tempel-Gartens. Die Bäume waren „lieblich anzusehen“. Die Ästhetik ist ein Gottesgeschenk und keinesfalls überflüssig. Ich würde mir deshalb genau überlegen, an welchem schönen Ort der Anlass durchgeführt wird. Vielleicht ist es ein Ort, der Erinnerungen weckt. Oder es ist eine kleine Rundreise mit verschiedenen Stationen.
  • Männer messen sich gerne. Auch dieses Element soll dazu gehören. Warum setzt ihr eure Manneskraft nicht für eine gute Sache ein? Beispiel: Ihr erledigt gemeinsam die Wäsche für eine Grossfamilie, reinigt einem alten Ehepaar zusammen die Wohnung oder bringt den Garten in Ordnung.
  • Gott hat uns zahllose Beispiele von Personen als Vorbilder geschenkt, die Ihm hingegeben bis zum Schluss ihres Daseins lebten. Vielleicht gibt es ein Portrait einer Person, die als Männer ermutigt. Variante: Es könnte eine „Zeit am Feuer“ geben, in denen ihr euch als Männer von euren Vorfahren erzählt. Solche Geschichten verankern sich, gerade wenn sie mit einem besonderen Anlass verbunden sind.
  • Jeder Mann könnte selbst einen kleinen Input in Form eines Gedichts, einer Geschichte aus seinem Leben, einer kurzen Andacht oder eines Briefs, den er vorliest, mitbringen. Allerdings müsste man dies auf 1-3 Minuten beschränken. Solche Impulse kann man laufend einstreuen. Alternativ könnte ich mir kurze Reden vorstellen, wobei du gewisse Vorgaben machst (z. B. Stichworte, die enthalten sein müssen; eine Weisheit, die zum Ausdruck kommt).
  • Überlegt euch ein schmackhaftes Gericht. Aus meiner Erfahrung kann es aus wenigen Zutaten bestehen. Warum nicht ein ganzes Lamm braten? Oder in einem Riesenkessel Risotto kochen?
  • Fast hätte ich noch etwas Wichtiges vergessen. Die Musik darf nicht fehlen. Bitte macht doch selbst Musik, es ist so öde, sich mit einem Ghetto-Blaster voll zu drönen.

Lieber M., ich merke, wie ich selbst Freude bekomme, einen solchen Anlass zu gestalten. Nutze deine Vorstellungskraft! Notiere dir in den nächsten Tagen Ideen. Besprich sie mit weisen Männern. Beziehe die Geladenen mit in den Anlass ein. Ich bin gespannt, wie es dir gelingen wird, diese Zeit zu Gottes Ehre zu gestalten.

H.

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