E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Zukünftige Herausforderungen für die Kirche

#6 Vortrag: Zukünftige Herausforderungen, für welche die Kirche bereit sein sollte (Albert Mohler)

These: Wir befinden uns auf der anderen Seite einer Wasserscheide, nämlich jenseits der Moderne in der Spätmoderne. Das enorme Vertrauen in den Verstand sowie in die Wissenschaft ist geschwunden. Der Einzelne ist zur letzten Autorität geworden.

Die drei Herausforderungen der Spätmoderne:

  1. Neue soziale Situation: Nicht nur ist die Kirche ihrer Autorität beraubt. Sie ist nicht mehr eine Stimme unter anderen, sondern stimmlos. Also: Vom Zentrum der Kultur zur Marginalisierung hin zur Isolation! Säkulare Autoritäten brauchen die Meinung der Religiösen nicht mehr. Heute bezahlt man zunehmend dafür, Christ zu sein (anstatt dafür respektiert zu sein bzw. über einen Vorschuss an sozialem Kapital zu verfügen). Auf dem College-Campus kann das bedeuten: Du gehörst nicht hierher. Es wird als Schaden betrachtet, biblisch orientierte Christen als Dialogpartner zu haben, weil sie moralische Urteile fällen.
  2. Neue mediale Umgebung: Die intellektuellen Autoritäten haben sich komplett verändert. Eine einzelne Autorität zu etablieren scheint unmöglich. Das Fernsehen wurde eng kontrolliert durch Geldgeber; jedermann sah es. Heute hat jeder Einzelne unlimitierten Zugang zu endlos vielen Anbietern. Jeder sieht alles im selben Moment. Der 12-jährige kann mit dem Smartphone Inhalt generieren und Autoritäten entthronen. Raum und Zeit sind suspendiert. Die jungen Leute leben in derselben Welt. Es existieren kulturelle Unterschiede, doch sie tragen dieselben Marken. Wie töricht muss da Sola Scriptura den Menschen vorkommen! Umgekehrt heisst dies für uns: Wir werden dadurch auf das Sola Scriptura zurückgeworfen. Wir haben nichts anderes. Die Stimme normiert jede andere Stimme.
  3. Ein neuer moralischer Kontext: In der Moderne wurde die moralische Autorität von den Kirchen losgelöst. Die moralischen Muster wirkten zwar noch lange nach. Eltern haben nach wie vor noch Regeln für ihre Kinder. (Du lehnst alle Autorität ab, bis zu ein zwei Jahre altes Kind hast.) In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Sexualität und die Fortpflanzung getrennt. Die Ehe wurde neu definiert. Die Scheidung wurde zur greifbaren Möglichkeit. Aussereheliche Sexualität explodierte, sie wurde demokratisiert infolge tiefer Kosten. Doch es ist weiter gegangen: Wir leben einer Periode, welche die Kirche bisher noch nie erlebt hat. Jede einzelne Person hat ein absolutes Recht, sich selbst zu definieren.